So kann man sich irren: Benimm-Rezeption ist relativ

Ich hatte mich so gefreut, als ich im Radio von dem Buch des Protokollchefs des Deutschen Bundestages, Enrico Brissa, hörte. Sogleich bestellte ich es mir, denn mehr darüber zu erfahren, wie dieser stilsichere Herr Form und Benimm herstellt, begeisterte mich. Die Ernüchterung kam dann sehr schnell, das Vorwort war sinnig und flüssig zu lesen und… Weiterlesen So kann man sich irren: Benimm-Rezeption ist relativ

Kein Geld, keine Uhr, keine Mütze – Wilhelm Genazino

Der Roman von Wilhelm Genazino habe nur 175 Seiten, vermeldet der Deutschlandfunk und ich stöhne innerlich und erhebe die innere Stimme zu kreisenden Hasstiraden der von Messzwängen beherrschten Kritiker. Verdammte Hacke, was hat die Seitenzahl mit einer Kritik zu tun? Einzige Antwort: Nix. Es geht mir so auf die Nerven, immer wird mit dem Verkaufspreis… Weiterlesen Kein Geld, keine Uhr, keine Mütze – Wilhelm Genazino

Brühwürfel-Biografie

Katja Lange-Müller kannte ich nur mittelbar als Autorin. Ihr Portrait in Herlinde Koelbls Bild-Interview-Band war mir aufgefallen, da der Begriff „Brühwürfel“ fiel. Es ist das Arbeitsprinzip von Katja Lang-Müller: Texte schreiben und dann so lange destillieren, bis sie auf das notwendigste ihrer Aussagekraft geschrumpft sind. Das sind dann ihre berühmten textlichen Brühwürfel. Lange-Müller hatte 2016… Weiterlesen Brühwürfel-Biografie

Armbanduhr? Warum, lesen Sie hier.

Alles hat seine Bibel, und wenn sie Bäckerblume heißt. In der Verlagsbranche nennt man Themenbereiche, die nur einen Teil der Leserschaft interessiert, dafür aber meistens brennend, „special interest“. Das geht von Flugzeugen, Golf, Jagd bis hin zu Uhren. Uhren, fragen Sie sich? Braucht man doch nicht mehr, man hat doch das Smartphone. Inklusive Taschenlampe, Timer… Weiterlesen Armbanduhr? Warum, lesen Sie hier.

Kent Haruf: Unsere Seelen bei Nacht -Tipp-

Es regnet in einem Fort in Frankfurt, während ich das Buch lese. Begonnen hatte ich es bei vollem Sonnenschein im Oosten – doch dann stürzte der Regen auf mich herab. Es ist mein erstes RezEm von Diogenes. Dieser schweizerische Verlag, der sich seit 1985 durch sein einheitliches Coverdesign auszeichnet, begleitet mich wissentlich seit Bernhard Schlinks… Weiterlesen Kent Haruf: Unsere Seelen bei Nacht -Tipp-

Jens Lubbadeh: Neanderthal

Mein Journalistenkollege Jens Lubbadeh hat ein Gespür für Stoffe und einen derben Lauf. Nach seinem Debüt „Unsterblich“ mit legt er nun den nächsten 500-Seiten-Krimi-Thriller-Klopper vor. Glückwunsch!!! Dystopien naturwissenschaftlicher Anlehnung in Krimiplots einzubauen ist Jens´ Können. In seinem ersten Roman stellt er die Frage nach dem ewigen Leben und in diesem neuen Werk dreht er die… Weiterlesen Jens Lubbadeh: Neanderthal

Das mit dem Leuchtturm

Nina Ruge ist nicht dumm. Gewiss nicht. Die ehemalige Lehrerin ist den meisten Menschen in Fernsehdeutschland als „Alles-wird-gut“-Moderatorin aus der Promi-Sendung „Leute heute“ (ZDF) bekannt, aber auch das Engagement ist zehn Jahre her. Kenner wissen vielleicht noch, dass sie die Ehefrau des ehemaligen Linde-CEO Wolfgang Reitzle ist. Doch was macht Ruge jetzt? Sie schreibt Bücher.… Weiterlesen Das mit dem Leuchtturm

„Am kreativsten bin ich, wenn ich bügle“

Ja, hier habe ich mich verleiten lassen, ich gebe es zu. Kein & Aber hat dieses Buch wunderbar ausgestattet und hergestellt. Aber irgendwie habe ich mir darunter etwas gänzlich anderes vorgestellt. So in etwa wie Herlinde Koelbls Schriftstellerportraits oder Volker Weidermanns Stücke über Autoren. Das ist dieses Buch aber nicht. Es ist pro Künstler/in eine… Weiterlesen „Am kreativsten bin ich, wenn ich bügle“

Glavinic-Fieber

Nur durch Zufall habe ich das Kulturkaufhaus Dussmann in Berlin entdeckt. Es war mir als Perle der Kulturkonservierung nicht präsent. Das rührt vornehmlich daher, dass ich den stationären Buchhandel oft nervig, rückständig und als überholt empfinde. Zu sehr Klischee von Rollkragenpullover tragenden Feinfühlern mit Lotsenanspruch. Das klingt hart und borniert und sicher bin ich diesen… Weiterlesen Glavinic-Fieber

Meyerhoffsches Grauen – Teil 4

Einhundertachtzigtausend Stück. In Ziffern 180.000. So viele Exemplare druckte Kiepenhauer & Witsch als Erstauflage zu Joachim Meyerhoffs vierten Roman „Die Zweisamkeit der Einzelgänger“. In Zeiten des allseits beschworenen Absatzmangels eine phänomenale Auflage – die ihre Abnehmer finden wird, gewiss. Meyerhoff würde im Fernsehen sicher als Allroundtalent tituliert werden, ich lasse das lieber. Einer der alles… Weiterlesen Meyerhoffsches Grauen – Teil 4