Kunst und Können: Stromae

Leiden schafft Kreativität. Der belgische Künstler Stromae, bürgerlich 1985 als Paul Van Haver geboren, schaffte mit seinem Leid eine künstlerische Transformation. Der ruandische Vater verließ die belgische Mutter, um in seine Heimat zurückzukehren und fiel 1994 dem dortigen Völkermord zum Opfer.

Stromae, das eine Silbenumkehrung von Maestro ist, wurde schlussendlich 2010 bei einem Volontariat beim belgischen Ableger der Radiosendermarke NRJ entdeckt, als dort sein Song „Alors On Danse“ gespielt wurde und zum Hit avancierte (zur Kreation dieses Songs bitte hier klicken).

Stromae überzeugt durch individuelle aber doch sehr eingängige Beats verbunden mit tief relevanten Texten zu Fragen an das Leben, gepaart mit den unabwägbaren Ängsten diesem gegenüber. Ob  die Leute nur mit dem Kopf wippten, oder seine Texte auch wahrnehmen, sei ihm nicht wichtig, denn die Kunst ansich sei der Weg zur Kontaktaufnahme mit anderen.

Mit seinem Song „Papaoutai“ und dem dazugehörigen Video macht er den inneren Konflikt auf unglaublich stabile Weise deutlich. Wo ist der Vater, auch wenn er da ist, wo ist der Vater, auch wenn er nicht da ist? Die wachsfigurenartige Weise seiner Darstellung gelingt ihm übrigens auch live (siehe hier).

Bei dem Video zu seinem Song „Formidable“ lässt er sich versteckt, vermeintlich betrunken, seinen Refrain gröhlend, an einer Haltestelle filmen. Er kam auf die Idee, weil er vormals von Männern an einer Tankstelle nachts beim Essen in seinem Fiat 500 gefilmt wurde. Als Trotzreaktion darauf, dass diese Männer ihn für sein angeblich zu kleines Auto dissten, drehte er das Video zu Formidable in der vorliegenden Fassung und kommentierte dies in einem Interview: „Ihr wollt´ Blut, ihr bekommt Blut“.

2015 tourte er durch Ruanda und musste die Tour abbrechen. Verlautbarungen nach, sei er durch das Malariamedikament an Panikattacken erkrankt. Das halte ich für Quatsch. Für weniger Quatsch halte ich seine Panikattacken und sein Rückzug aus der Öffentlichkeit. Denn Stromae leidet, was in seiner druckvollen Kunst sich manifestiert. Und in der jedem Erfolg innewohnenden Einsamkeit.

Beitragsbild: Screenshot Youtube