Riskantes Projekt: 350 Hörstunden Maigret

Hinweis: Das Hörbuch habe ich kostenlos gestellt bekommen; es besteht aber keine Kooperationsvereinbarung o.ä.

Weihnachten steht vor der Tür. Zumindest wenn man dem bundesdeutschem Einzelhandel glauben mag, der die Versorgungssicherheit mit Gebäck schon im September sicherstellt gewusst haben will. So kann es nicht zu früh sein, sich Ende Oktober mit dem ersten Weihnachtshörbuch einzudecken. Der noch bestehenden Zeitumstellung dankend, ist es um halb sechs stockefinster und die Lust auf Hörbuch mit Rotwein ist geweckt.

Der Verlag beschenkt sich selber: mit einem riskanten Projekt

Das Auge wählt bekanntlich mit und so ist die ansprechende Gestaltung für mich ein wirklicher Kaufgrund. Die verschneite französische Kulisse und dazu eine meisterhaft neue Einlesung von Schauspieler Walter Kreye (Sie werden ihn aus der ZDF-Serie Der Alte kennen). Der Audio Verlag (DAV) hat da was gestemmt, bzw. hat das auch bis 2020 noch vor: alle 75 Maigret-Krimis werden von Kreye neu eingelesen. Dazu noch ausgewählte Erzählungen. 350 Hörstunden und mehr als 250 CDs (die runden Scheiben) werden es final sein. Und der DAV lässt ein Feuerwehr des Marketings sprühen.

Berechtigt? Berechtigt. Simenon hat ein gewaltiges erzählerisches Werk hinterlassen, hat eine dreistellige Millionenanzahl von verkaufter Auflage hinterlassen und bildet in seinem Werk auch die Entwicklung der Gesellschaft und Welt ab. Ein der wenigen Schullektüren, die ich spannend fand.

Weihnachtskrimi – guter Krimi?

Krimis sind nun das Genre indem ich nun eigentlich gar nicht zuhause bin. Fragt man Schauspieler, warum sie in Krimis mitspielen, ist es doch (geraunt) meistens die sichere Gage. An den Texten liegt es wohlweislich nicht, weil diese sich doch sehr wiederholen. Wo waren Sie?, Was haben Sie gemacht?, Kennen Sie den Toten? Tobias Moretti hat in 1996 dazu in Phettbergs Nette Leit Show sehr ehrlich zu geantwortet. Texte? Schaue er sich kurz vorher mal an, auswendig lernen nicht wirklich nötig.

Das soll Krimis aber nicht ihre Qualität absprechen! Wenngleich ich sie in der Regel nicht lese, gibt es auch hier Qualitätsunterschiede. Maigret ist dabei, wie viele Klassiker, lesenswerte Literatur. Und da ich es aber auch nicht so mit Mordermittlung habe, passte diese Folge umso mehr, das es nicht um einen Mörder geht, sondern um den wohl „rührendsten“ Fall: Der Weihnachtsmann wird gesucht. Die Geschichte ist süffig, mit französischer Erzählspitze und dem nötigen Gleichschritt in der Erzählweise, dass man es im warmen Auto in Ruhe hören und genießen kann.

Kreye und die Rolle: konvergent

Foto 1 Walter Kreye_Fotocredit Thomas Kierok
Walter Kreye liest Georges Simenon      (c) Thomas Kierok

Walter Kreye liest überzeugend durchgängig und man kann sich vorstellen, dass er die feste deutsche Stimme ist, wie Charles Brauer es für John Grisham wurde. Es ist passend. Kreye gibt sich Simenon und Maigret hin, das Pressefoto lässt erahnen, dass Kreye mit seiner Sprechrolle sehr zufrieden und in Einklang ist.

Die Gestaltung der CD-Hülle spricht mich sehr an. Die wohltemperierten Bilder französischer Vergangenheit mit ausreichend Fakten um das Werk Simenons. Wußten Sie, dass Simenon dieses Weihnachtswerk im Mai vollendet hat? In Florida? Daran sehen Sie einen Schriftsteller. Oder einen guten Schauspieler. Es ist ein Handwerk, eine Stimmung zu generieren und durchzuhalten. Es ist Fiktion, die es gilt für Dritte lebendig werden zu lassen.

Simenon und Kreye – ich glaube, das wird ein langfristiges Hörfest.

Die Reihe Simenon-Maigret-Reihe bei DAV

 

weihnachten-bei-den-maigrets-simenon-georges-9783742407443