Der Brief, er ist tot!

[Verlag stellte kostenloses Rezensionsexemplar; keine bezahlte Werbung!]

Briefromane werden aussterben! Nie wieder tauschen sich Menschen so schön aus! 

— So ein Bullshit! Ich glaube, so viel tippen wie heute, taten wir ob fehlender Möglichkeit (Papier, Stift, Porto, Lesen/Schreiben-Können) noch nie. 

Auch lesen die Menschen viel mehr als früher. Gut, auch einigen Bullshit in den sozialen Medien, auch schreiben sie mit vordergründig peinlichen Wort-Vorschlagsprogrammen, aber sie schreiben. Ich sehe da durchaus vielfältige Vorteile.  

Und wie Giovanni di Lorenzo sagt, er sei kein Holzhändler, also nicht auf Papier für guten Journalismus angewiesen, so ist der gute Brief auch nicht an Papier gebunden. Man kann Papier und Brief gut und passend finden, aber es ist nicht ausgeschlossen, dass das ein Empfindungsding der Generationen ist. Wir schreiben ja auch nicht mehr auf Bütten. Und finden das ok. 

Man kann sich also auch per Mail, Whatsapp, etc. austauschen und auch das wird sich einen literarischen Weg bahnen. Können Sie sich drauf verlassen. Punkt.

Maximilian Dorners Briefroman hat mich vom Schreibstil nicht vom Stuhl gehauen, muss er aber auch nicht, für viele Leser*innen ist das ein super Schreibduktus – keine Ironie!  

Mir war wichtig zu sehen, dass das machbar ist und das schafft Dorner. Denn es ist, obgleich beginnend in 1999, ein Emailroman mit verschiedenen Figuren. Durch das Einbringen von Emailheadern wirkt es so, als wenn man wirklich ausgedruckte Emails liest und das macht an sich Spaß. 

Also eine wirklich gute Idee, gut umgesetzt. Also: es geht. Schriftliche Kommunikation lebt. Egal in welcher Versendungsform! 

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