Emma Slade: Befreit

(Es handelt sich um eine Besprechung, die auf der Gestellung eines kostenlosen Rezensionsexemplars des Verlags beruht. Diese Gestellung beeinflusst nicht die Wertung; eine Kooperation besteht nicht. Ebenso wenig Affiliatelinks.)

Emma Slade hatte eine glänzende Karriere als Investmentbankerin. So empfand sie das zumindest oberflächlich, bis sie in einem Hotel überfallen und Opfer eines misslungenen Raubüberfalls wird. Damit bricht ihre Welt des scheinbaren Erfolgs zusammen und sie kehrt der westlichen Welt mit ihren teils grotesken Regeln, dem Kapitalismus den Rücken.

Sie wird Buddhistin und damit würde es für mich eigentlich schwierig werden, da ich diese Lebensumkehrbücher nicht mag, sind sie mir doch oft zu säuselig, zu anklagend gegenüber „den unwissenden Anderen“.

Emma Slade hingegen schafft es, dass ich ihren Ausführungen auch weit über 100 Seiten interessiert folge und sie einen Lebensweg zeichnet, der auf den zweiten Blick klarmacht, dass der Überfall nur der letzte Tropfen für das Fass war, ihr auf Hilfsgerüsten aufgetuntes Über-Leben zum überlaufen zu bringen. Die Erfahrungen der Angst nach dem Überfall gehen über in die ganzheitliche Lebensreflexion und der Erkenntnis, nur immer anderen genügen zu wollen, ja, schier nach Anerkennung der Eltern in selbstzerstörerischer Manier gebuhlt zu haben, um dann in einer Risikosituation komplett zusammenzubrechen.

Sie hat den Sinn ihres Lebens im Glauben, in ihrer Mildtätigkeit gefunden, und so ein wenig ist es natürlich auch ihr Lebensunterhalt. Doch sie hat etwas für das sie lebt, und das hatte sie in ihrem „anerkannten“ Leben als Bankerin nicht, nicht tiefgründig. Nicht für sich selbst. Slade gelingt es, auch ihr Eintauchen in Meditation und Buddhismus nicht zum dogmatischen Lehrexzess ausarten zu lassen, sie bleibt ruhig, beschreibend, flüssig in Erzählweise und Stil.

Emma Slade kann man lesen, lesen wollen, sofern man es hinbekommt, akzeptieren zu können, dass nicht das jetzige Sein alles ist und es durchaus mehr gibt, als morgens zu einem sicheren Job zu fahren und nach kapitalistischen Regeln angeblich „sinnvolles“ Leben zu führen.

Emma Slade: Befreit – Von der Bankerin zur buddhistischen Nonne ist erschienen bei Kösel

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Cover: Random House