Meister der Dämmerung

(Ich danke dem Verlag für das kostenfrei Rezensionsexemplar; ich erhalte kein Honorar; keine Affiliatelinks)

Peter Handke lud mich Anfang Juni dieses Jahres in sein Haus in Chaville in Paris ein. Und er ist so, wie ich ihn mir vorstellte, wie ich ihn in Corinna Belz´ Kinofilm erlebte, so wie ich seine Bücher lese.

Vor dem Besuch sichtete ich also auch diese Biographie von Malte Herwig, der ihn auch schon in seinem Haus besuchte. Aber nach nur wenigen Seiten legte ich das Buch beiseite. Es ist nicht Handke. Es ist sicher ein gut recherchiertes Buch, detailgetreu, aber es hat für mich nichts mit Peter Handke zu tun. Es ist eine Art Roman mit realem Ursprung, aber es ist nicht das, was ich auf die Vorbereitung benötigte. Die Schreibe erinnerte mich sehr an die Biographie von Ronen Steinke über Fritz Bauer. Auch spannungsgeladen, auch süffig lesbar, aber eben nicht Bauer. Ich finde, die Autoren, beides Journalisten, treffen den Ton nicht.

Natürlich kann man die kontroverse Frage in den Raum stellen, ob ein Text über jemanden konvergent zu seiner Person sein muss. Sicher nicht, aber er sollte nicht in diesen schmissigen, romanhaften Ton abgleiten. Das ist ähnlich wie „Der totale Rausch“ von Norman Ohler, thriller-artig und schnell weglesbar, aber doch brüchig.

Sorry, leider echt nicht mein Buch. Peter Handke zu erleben ist vielleicht doch besser mittels Film und seiner Bücher. Das ist Handke pur, real, eben Handke.

Malte Herwig: Meister der Dämmerung, erschienen bei DVA

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Mit Peter Handke am 31.05.2018 in seinem Haus bei Paris. Danke an MG für das Bild.