Die Glücklichen. Nicht.

(Transparenz: Ich erhalte das Rezensionsexemplar kostenlos, aber keinerlei Honorar)

Wenn etwas bei diesem Roman nicht stimmt, dann ist es der Titel. Sonst stimmt leider alles. Und das macht es schlimm.

Es ist wirklich gruselig, wie Kristine Bilkau in ihrem Roman einen Ton trifft, der die aktuelle Gesellschaft besser beschreibt, als es vielleicht für ein Lesevergnügen nötig wäre. Schlussnendlich liefert sie in eine Romanhandlung gegossene Sozialstudie. Das was Paare uns auf sozialen Medien verkaufen wollen, demaskiert in grenzenloser, exhibitionistischer Ehrlichkeit, die wehtut. Ein paar das mit einem Kind und ihrem gemeinsamen Leben dahinrudert und ins soziale Taumeln abzurutschen droht. Sie Cellistin, er Journalist. Sie kann nicht mehr spielen und quält sich durch ihren Alltag. Er Journalist, dem der Job im Internet zerbricht. Beide reden nicht miteinander, beide sind in ihrer Funktion gefangen und können sich nicht offenbaren. Wie in jeder GZSZ-Folge führt aber genau das in den Strudel des Verderbens.

Platziert hat Bilkau beide in einen schicken Kiez in Hamburg. Für beide eine Selbstverständlichkeit und doch stellen sich beide die Frage: Was bedeutet es wirklich, seine Ansprüche runterzuschrauben, nicht mehr mittags Essengehen zu können, nicht mehr in der hippen Altbauwohnung residieren zu dürfen? Rauszuziehen in die Vorstadt, raus aus dem Umfeld, welches einem das Gefühl gab, richtig zu sein.

Neben der sozialen Desintegration, zeichnet Bilkau die entfühlte Beziehung heutiger Mittdreißiger treffend nach. Das Kind verbindet die erloschenen Emotionen dem Partner gegenüber. Aus Lust wird Zweckgemeinschaft. Das Kind ist das Zünglein and der Waage und oft Brandbeschleuniger der emotionalen Krisen. Die Schwiegereltern, oder das was davon noch übrig ist, nervt.

Der Klassenkampf beginnt, das Abrutschen aus der Kaste der hierzulande Privilegierten runter zu Bittstellern des Kapitalismus, das Entfremden innerhalb einer Beziehung, die fehlende emotionale Wärme, all das vollführt Bilkau auf 300 Seiten.

Schlimm nur, dass es für viele Paare keine Fiktion ist.

Zur Taschenbuchaustattung: dürftiges Papier, dürftiger Druck. Schade.

Kristine Bilkau: Die Glücklichen erschienen bei btb

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