Nächster Band: Es blüht in Wien

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Petra Hartlieb legt mit „Wenn es Frühling wird in Wien“ eine Fortsetzung von „Ein Winter in Wien“ vor und schenkt den Lesern eine lesenswerte Verlängerung bei höheren Temperaturen.

Kindermädchen Marie arbeitet weiterhin im Hause des Arztes und Dramatikers Arthur Schnitzler und dessen Familie. Nachdem Härtling im ersten Band die Erlangung der Position des Kindermädchens in dem intellektuellen Hause darstellte und damit ein realistisches Klassenbild von 1911 zeichnete, führt sie nun die Erzählung weiter. Maries Beziehung zu Buchhändler Oskar und der entstehenden Liebe beider. Von zarten Knospen zu schreiben wäre kitschig, trifft es aber dennoch. Härtling schafft es aber, bei dem zum Kitsch tendierenden Plot, die Geschichte so zu verarbeiten, dass sie eben nicht in diesen Marmeladen-Duktus zu kippen, sondern lesenswert zu bleiben.

Neben der entstehenden Liebe zu Oskar, ist nun auch dessen Vita wieder ein Erzählstrang. Er lernt eine Tochter aus reichem Hause kennen, der Eifersuchtsplot schlechthin, der konträr gelöst wird und wiederum Spiegel der damaligen Zeit wird. Seine Zukunft als angestellter Buchhändler steht dabei auf seidenen Weichen.

Final kommt es zum Rückblick von Maries ländlichen, tief proletarischen Wurzeln, die Oskar versucht zu erkunden. Den Weg, den er zurücklegt, um Maries Herkunft näherzukommen, ist beschwerlich und stellt auch hier wieder spannend dar, wie sich Dimensionen verändern. Auch als Marie in den Tierpark mit den Kindern fahren soll, zeichnet Härtling fühlbar nach, welche riesige (innerstädtische!) Reise das zu Beginn des 20. Jahrhunderts war.

Die Literaturkritik nahm an dem zweiten Wien-Band Anstoß, man würde (wieder) nicht so viel von Wien und dem Hause Schnitzler mitbekommen. Dabei kann ich nur die Nase rümpfen, da es Schwerpunkte legt auf die Protagonisten und Wien und die Schnitzlerfamilie dabei die Grundlage für das Schauspiel bilden, aber doch keinesfalls es eine Schnitzler-Biografie noch ein Wien-Reiseführer von 1912 sein soll. Man kann sich in diesem Fall nur wieder wundern, was Menschen in einem solchen Buch für Schwerpunkte erwarten.

Und dann sinkt auch noch die Titanic – auch das wird Einfluss auf den Plot haben und die Leser bei der Stange halten.

Mich hat es wieder erfreut, eine Fortsetzung zu lesen und bitte hiermit Frau Härtling: Lassen Sie es Sommer in Wien werden!

Petra Hartlieb: Wenn es Frühling wird in Wien, diesmal erschienen bei Dumont

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