Reportage: HAJ

HAJ ist meine Heimatbasis, auf diesem Flughafen meiner Heimatstadt, der aber eigentlich in Langenhagen, einer Vorstadt von Hannover, liegt, wurde ich als Fluggast sozialisiert.

Ich war bei der Eröffnung des Terminal C dabei – das war am 02. Juni 1998 und war ein unglaubliches Highlight in der Region. Architektonisch war es spannend, da ein optisch baugleiches drittes Terminal geschaffen wurde, aber eben in den Farben der 2000er Jahre. Der optische Bruch beim Übergang von B zu C war überwältigend, denn die grundlegende Optik und Bauweise blieb die gleiche. Man machte gefühlt einen Sprung der Farbwelt, aber nicht der (oberflächlichen) Bauwelt.

Damals fuhr noch keine S-Bahn zum Flughafen, man nahm den (vergleichsweise) teuren Flughafenbus, der oft auf der Vahrenwalder Straße im Stau stand. Im Radio spielten die Ärzte „Westerland“ und ich war so glücklich, dabeisein zu dürfen, denn in Hannover passiert vergleichsweise wenig am Airport. Es ist ein beständiger Flughafen, seit 2004 von Dr. Hille mit Liebe geführt, bleibt es aber doch, ohne Verachtung, Provinz.

So trieb es mich 2006 nach FRA – den Frankfurter Airport. Das war sowas von ein Rums an Erfahrungen, an Fläche, an Traffic, an Koordination. Jedes mal, wenn ich wieder in HAJ lande, fühle ich das Früher, dieses heimelige. Ich denke dann, was alles ein „Flughafen“ ist und dennoch so verschieden. Ich weiß die Eröffnung des Terminals aber auch deshalb noch so genau, da am nächsten Tag, nicht weit von Hannover, eine unfassbare Katastrophe geschah: ICE 884 „Wilhelm Conrad Röntgen“ verunglückte am 03. Juni 1998 bei bestem Wetter in Höhe der Stadt Eschede.

Aktuell hat der NDR eine neue Flughafen-Reportage über HAJ gebracht und sie ist wirklich sehbar. Es wird sich dabei auf den Umlauf/das Umdrehen eines Ferienfliegers fokussiert, statt ein großes Bild verschiedener Abteilungen zu zeichnen. 45 Minuten darf es dauern, bis die Boeing 737-800 der Tui wieder offblock geht, das bedeutet, wieder von der Position runter ist. Zeit ist Geld, und bedarf großer Organisation, wie ich fast fünf Jahre auf FRA erleben durfte. Es ist so unglaublich spannend, diese Organisationspräzision miterleben zu dürfen.

Beitragsbild: Screenshot Youtube/NDR