Yalom: Denn alles ist vergänglich

Bei btb verzweifle ich am meisten an der Papierqualität. Die Inhalte stimmen, z.B. die Bücher von Atul Gawande, aber dieses billige Papier, was schneller altert als man die Bücher lesen kann, nervt in den Taschenbuchausgaben schon hart. Bitte ändern!

Umso verwunderter war ich als ich das Minipocket-Buch des amerikanischen Psychoanalytikers Irvin D. Yalom als Rezensionsexemplar erhielt. Endlich mal feines Papier, mit leichtem Cremestich und glatter Oberfläche, welches scheinbar erstmal alterungsbeständiger ist. Generell finde ich diesen Trend zu diesen Hosentaschenbüchern wirklich ansprechend und zukunftsträchtig, ist man doch mehr gewohnt, das zu lesende in der Hosentasche zu haben, um es reflexhaft konsumieren zu können. Ist das Miniformat vielleicht der einzig druckbare Kompromiss für die digitale Zukunft? Oft erlebe ich es, wie es nervt, nur weil man ein Buch mitnehmen möchte, auch immer den Rucksack bemühen zu müssen. Bei Temperaturen von 30 Grad plus nervig.

Kennen Sie Dr. Oliver Sacks? Der inzwischen verstorbene Neurologe und Bestsellerautor aus New York? Was Sacks für die körperliche Medizin, ist Yalom für die Psyche. Und jeder, der irgendwas in diesem Leben erreichen will, sollte sich mit der Psyche des Menschen und umso mehr mit seiner eigenen beschäftigen. Der Zugang dazu, ist schwierig. Es gab mal einen schönen Spruch zur Psychoanalyse: Es ist wie mit einer Speisekarte – nur weil man sie liest, wird man nicht satt. So kann dieses vorliegende Werk gesammelter Kasuistiken (Fallgeschichten) keinesfalls irgendeine Art von Therapie und somit eine Beziehung ersetzen, aber zumindest dem Unwissenden aufzeigen, dass es Muster gibt, deren Erkennen für den Betroffenen schwer sind. Für alle Patienten lohnt es sich, Yalom aufgesucht zu haben, auch wenn sie oder auch Yalom nicht immer das „bekommen“, was sie sich erhofft haben.

In „Denn alles ist vergänglich“ ist der Titel Programm. In allen Fällen geht es schlussendlich um die schwer hinnehmbare Tatsache, dass alles vergehen wird. Alles jetzige somit in fatalistischer Sicht sinnlos ist. Die Patienten sich auf verschiedene Weise retten wollen. Durch Rückschau auf frühere Schönheit, durch zwanghafte Spontanität, durch Widerstreben. Was Yalom schafft ist, seine eigene Menschlichkeit darzustellen, indem er sich nicht zu einem übermenschlichen Wesen zu gerieren, welches diese Probleme nicht selber auch tangieren. Dennoch hat er vieles überwunden und man erkennt diese Menschen an einer inneren Ruhe. Denn wer lebt, braucht das Ende nicht zu fürchten.

Irvin D. Yalom: Denn alles ist vergänglich ist erschienen bei btb (Random House)

Vielen Dank an btb für das kostenfreie Rezensionsexemplar!

Gelesen auf einer Zugfahrt von Hanau nach Berlin.

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