Hörbuch Grisham: Forderung

Sich Grisham zu nähern, hat bei mir ewig gedauert. Immer habe ich seine Titel (in deutscher Übersetzung) verlacht. Der, die, das und Subjekt. Aha. Thriller. Naja. Bis ich eines Tages vor acht Jahren durch das eisig-kalte Frankfurt-Bockenheim schlenderte und eine Ramsch-Ausgabe seines ersten Romans „Die Firma“. Da ich damals auch begann mit Anwälten zu tun zu haben interessierte mich diese aberwitzige, aber dennoch tiefgründige Story, aber das, was sich in der Front Street (Front = Fassade) abspielt.

Gelesen werden die Hörbücher seit eh und je von Charles Brauer, dem Schauspieler, der mit Manfred Krug im Tatort spielte. Er liest mit einer Verve und Akribie, spricht die Personen wiedererkennbar und nicht kitschig. Er gibt Grisham hörbares Leben. Als ich ihm das mal schrieb, in einem Brief an seinen schweizerischen Wohnort, kam doch tatsächlich ein großer Brief mit Zollmarke zurück! Handgeschrieben, auf teurem Briefpapier, freute er sich über meine Zeilen und legte mir zwei signierte CDs bei. Einmal ein Hörbuch von Gottfried Benn (düster aber hörenswert!) und seine gesammelten Songs, die im Tatort mit Manfred Krug entstanden sind.

Bei seinem mir zuletzt vorliegendem Buch „Das Original“ war mir die Story zu weit weg von dem, was ich an Grisham mag. Die „Fassade-Geschichten“. Nun ist er zurück mit dem Hörbuch (von wem wohl gelesen!) „Forderung“ (wo ist der bestimmte Artikel?). Welchen Stellenwert Brauer dabei hat, erkennt man, weil er mit einem riesigen Portrait innerhalb abgebildet ist. Grisham setzt zur großen Systemkritik an. Junge Menschen werden an eine private Hochschule geködert, um später tolle, gut bezahlte Jobs zu erhalten. Sie nehmen große Studienkredite auf, merken aber im Studium, dass die Ausbildung lausig ist. Es gilt einzig und allein, das System am laufen zu halten, die Hochschule als Geldmaschinerie. Alle Lehrenden werden teuer bezahlt, die Studenten geschröpft und scheinbar reaktionsunfähig, da der Studienkredit, der viel zu leicht vergeben wurde, über ihnen schwebt wie ein Damoklesschwert. Hauptsache das Examen mit der mittelmäßigen Ausbildung bestehen ist die Ausgangslage. So wäre es weitergelaufen, wenn Grisham nicht seine Protagonisten ins Feld führt, die dem ganzen Kreislauf kapitalistischer Ausbeutung entfliehen wollen und der Foggy Bottom, so der verheißende Name der Uni (Sie denken bitte wieder an „Front Street“ aus Die Firma?), ein Ende setzen.

John Grisham: Forderung, gelesen von Charles Brauer ist erschienen bei Random House Audio

Ich danke dem Verlag für die Gestellung eines kostenfreien Rezensionsexemplars