Thomas Fischer: Richter-Sprüche

Thomas Fischer gehöre zu den wichtigsten Denkern des Landes, verkündet Beststellerautorin Juli Zeh auf der blütenweißen Bauchbinde des ansonsten in Leinen ohne Schutzumschlag daherkommenden zweiten Buches des Vorsitzenden Richters am Bundesgerichtshofes a.D. – Und damit hat sie wirklich recht.  Im Mai 2017 schied er auf eigenen Wunsch frühzeitiger als gedacht aus dem Staatsdienst aus. Ruhig war und ist es für den rastlosen Denker sowieso nie, nie gewesen.

Fischer über „Richter-Sprüche“ in der Einleitung:

Die Richter-Sprüche (…) greifen Themen, Bemerkungen, Aphorismen und Hinweise aus den Kolumnen auf, lösen sie aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang und stehen, wenn es gelingt, für sich selbst.

Denn die Bücher bei Dromer Knaur bilden nur seine populärwissenschaftliche Publikationskarriere ab. Viel mehr legt er auf seine juristischen Veröffentlichungen wert, insbesondere ein jährlich erscheinendes Werk ist sein „Baby“. Der Kurzkommentar zum Strafgesetzbuch, der sog. „Fischer“, gilt als das Pflichtwerk im Strafrecht. Meine Assistentin schaut gierig, als sie den noch aktuellen „Fischer“ auf meinem Schreibtisch erspäht. Und wo Fischer draufsteht, ist auch nur Fischer drin. Seit der 50. Auflage (aktuell: 65.; vorbestellbar 66. Auflage, 2019) regiert im Fischer der Fischer. Ein riesiger Kommentar von nur einem Mann Jahr für Jahr aufs neue auf Vordermann gebracht. Das ist in sich schon eine immense Leistung. Er gilt als Standardwerk, weil er ein Standardwerk ist. Monumental. Für Menschen außerhalb der Jurisprudenz nicht verständlich (und das ist spannend!).

Blasphemie

Jeglicher denkbare Gott mag alles Mögliche benötigen, aber gewiss keinen Straftatbestand im deutschen Strafgesetzbuch, der seine „Lästerung“ verbietet.

Im vorliegenden Buch „Richter-Sprüche“ bedient sich Fischer Schlägwörtern aus seinen ZEIT-Online-Kolumnen und bespricht sie in wenigen Zeilen in gekonnter, bekannter und biestiger Art durch. In jeder Zeile spürt man Fischer, den unangepassten, den griffigen, den teils garstigen Denker, der eben viel abstrakter denken kann als viele andere Menschen. Das macht angreifbar, einsam und haut einen im Zweifelsfalle auch als klickstarken Kolumnisten aus dem Sessel einer sich selbst sehr wohlgesonnenen Wochenzeitung.

Zeitung für Deutschland (gemeint: FAZ; Anm. JCB)

Oh my God, schaudert es die zweite Gattin des ersten Vertreters des dritten Vorstands in Königstein: Hat Mario Draghi das tatsächlich gesagt? Muss ich den Gärtner abbestellen? Was soll aus unseren Söhnen werden?

Fischer ist ein Andersdenker, ein Neudenker. Das macht Menschen noch mehr Angst. Angst, die eh schon mehr als genug vorherrscht. Da will man den Schutzmann mit den Schleckis für den Hund gar nicht erwähnen, den die Blumenhändlerin in der Sendung „Menschen bei Maischberger“ ins Feld führt und Fischer nebst intellektuell-verbündetem Sidekick Christopher Lauer in die mentale Verzweiflung treibt. Dann noch der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft der von „wir die Polizei“ spricht, und von Fischer korrigiert wird, einer Interessenvertretung anzugehören, die er in der Sendung vertritt. Ach, herrje, das wird man ja wohl nochmal nicht so deutlich nicht sagen dürfen!

Thomas Fischer scheitert nicht, die Welt scheitert an ihm.

Thomas Fischer: Richter-Sprüche

Meine Interviews mit Thomas Fischer:

Der Freitag: „Die SPD hat den Löffel schon längst abgegeben“

behmannsblog.de: „Versuch einer Vernichtung“

Am 01.10.2018 wird Thomas Fischers neues Buch „Über das Strafen“ bei DromerKnaur erscheinen. Ich bin gespannt und werde berichten!

Thomas Fischer live: 24.06.2018 in Nürnberg

978-3-426-27747-8_Druck

978-3-426-27687-7_Druck

978-3-426-27685-3_Druck

Ein immer wieder sehenswertes Interview mit Thomas Fischer:

 

Ich danke dem Verlag für die kostenfreie Stellung des Rezensionsexemplar.