Peter Stamm: Triff dein früheres ICH

Peter Stamm ist allgegenwärtig. Zumindest technisch. Nachdem ich sein Buch von S. Fischer erhalten habe, und es vorher googlete, sind wirklich viele Werbeanzeigen voll von Peter Stamms neuem Roman „Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt“, erschienen bei S. Fischer. 

Bei der Klassifikation „Roman“ stutze ich immer, denn irgendwie ist alles ein Roman. Wie der Deutschlandfunk, sehe ich dieses Werk aber als Novelle und finde das viel passender. Grade, da ich kein ausgesprochener Romanfan bin. Und Peter Handke diese Klassifikation auch nicht mag, er präferiert „Erzählung“.

Peter Stamm, schweizer Autor, Jahrgang 1963 in Winterthur (CH) lebend, schrieb vor 20 Jahren seinen ersten Roman „Agnes“, vier weitere und andere Publikationen folgten. 

Er macht sich nun an die große Frage, was wäre wenn gewesen. Wie gehen Lebenswege, wie hätte man sie beeinflussen, verändern können. Sein Protagonist, um die fünfzig Jahre, lässt er auf die zwanzig Jahre jüngere Frau treffen, die – welch Zufall – seiner damaligen Freundin ähnelt. Oder ist sie es? Was wäre, man träfe auf due wegweisenden Menschen von damals zeitversetzt? Diese noch im Damals, man selber gereift. Was dann? Bessere, andere Entscheidungen? Eine zirkelnde Drehung aus sich wiederholenden Fragen und Unsicherheiten.  

Stamm dekliniert es durch, greift zu irrealen Möglichkeiten oder besser gesagt grotesken Zufällen. Denn die junge Frau, die das alter ego seiner Freundin ist, hat auch einen Freund, der ihm wiederum die grundlegende Existenz seines (einzigen) Werks streitig macht. Der Versuch zum Beweis das gleiche Werk zu wiederholen ist aber dann das, was nicht zum selben, nicht mal zum gleichen führt. Und ist das vielleicht die Antwort auf alle Fragen?

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Peter Stamm: Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt

Ich danke dem Verlag für die kostenfreie Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.