So kann man sich irren: Benimm-Rezeption ist relativ

Ich hatte mich so gefreut, als ich im Radio von dem Buch des Protokollchefs des Deutschen Bundestages, Enrico Brissa, hörte. Sogleich bestellte ich es mir, denn mehr darüber zu erfahren, wie dieser stilsichere Herr Form und Benimm herstellt, begeisterte mich. Die Ernüchterung kam dann sehr schnell, das Vorwort war sinnig und flüssig zu lesen und nun schlug ich um, und, was passierte? Ich hatte ein Benimmlexikon vor mir. Schlagen Sie nach, schauen Sie dort, Querverweis. — Bitte nicht — Ich hasse sowas. Damit war dann die Geschichte des Buches und mir schon vorbei. Schade.

Aber: Wie Benehmen, ist auch Rezeption sehr relativ. Ich brachte also das bis auf zehn Seiten unangerührte Buch meinem lieben Zigarrenfreund SFA mit und raunte, schau mal, vielleicht ja was für dich, aber ich muss die warnen: es ist lexikalisch aufgebaut. Darauf erhellten sich seine Augen. Ja, zum Glück, frohlockte er, und schloss an, dass ja alles andere auch Mist sei und schriftstellerisches Geschwurbel. Nun gut, er erfreut sich daran und alle, die Etikette und Benimm lexikalisch nachschlagen wollen (was vielen Menschen in der Öffentlichkeit zu raten ist!), sollten sich dieses Buch beschaffen. Denn, Brissa weiß, wovon er spricht.

Enrico Brissa: Auf dem Parkett ist erschienen bei Siedler

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Ich danke dem Verlag, erhalte kein Honorar, nur das Buch kostenfrei.