Die Frau im hellblauen Kleid

…ja, ich muss mich beim Verlag aufrichtig entschuldigen, die Rezension hätte vor ewig kommen müssen, aber leider finde ich das Buch nicht mehr. Das was ich aber las war ein schöner, literarischer Plot der Verwicklung von Jahrzehnten von erfolgreicher Schauspieler-Mutter zu mäßig im Geschäft integrierter Tochter.

Dieser Kernplott ist an sich schon lesenswert, aber da das ganze dann noch im Wien von heute und der Vergangenheit spielt, macht es noch reizbarer. Es ist ein angenehmes Buch für die S-Bahn zum Wegträumen, zum kritischen Diskurs aber auch um die Frage, was ein erfülltes Leben als Kind eines Menschen ist, der in einer Disziplin erfolgreich war. Das Nachstreben scheint oft unausweichlich und dennoch dem Scheitern ausgeliefert zu sein.

Ich denke, es ist für Kinder schwierig zu akzeptieren, dass die Eltern in einer Weise bekannt begabt/bekannt waren und auch vielleicht in einer bestimmten Zeit Glück hatten, dass es für sie schwierig ist, zu lernen, einer „normalen“ und dennoch Lebensglück stiftenden Tätigkeit nachzugehen. Der Druck, den ich oft erlebe, denen Eltern ihren Kindern aufbürden, etwas bestimmtes zu werden, die Kinder das entweder nicht schaffen (dann wissen Sie davon!) oder es eben besonders gut machen (dann wissen Sie es nicht!) und dennoch leiden.

Wie viele Menschen haben mir schon nach zwei drei Wein ihr Herz ausgeschüttet und geklagt, sie hätten etwas berufliches gemacht, was gar nicht ihr Wunsch gewesen sei, aber den Eltern doch zuliebe gemacht haben – durchaus nennenswert erfolgreich. Unglück muss sich also nicht im Scheitern niederschlagen, ganz im Gegenteil! Dieser Erfolg besiegelt es final, da die Liebe der Eltern – oft über deren Tod hinaus – erhalten werden will. Dieses finale Umarmen ist aber nur Fiktion, nie erreichbar.

Beate Maxian macht, soweit ich es lesen konnte, eine schöne Familienaufstellung im Wien der heutigen und vergangenen Jahrzehnte. Wenn ich das Buch endlich wiederfinde, werde ich hier berichten.

Beate Maxian: Die Frau im hellblauen Kleid ist erschienen bei Heyne

Ich danke dem Verlag, erhalte kein Honorar.