Vergangen ist nicht vergessen: Wolfgang Lippert

Zum 2. Todestag des Münchner Friseur-Unternehmers

Am 21. Januar 2016 nachmittags verstarb 58-jährig der Friseur-Unternehmer Wolfgang Lippert in seiner Maisonette-Wohnung in München-Bogenhausen. Das sonnengelbe Altbauhaus, nur einen Steinwurf von Gerd Käfers Ladengeschäften entfernt, erstrahlt noch heute altehrwürdig.

Doch auf dem goldenen Klingelschild ist das kleine Schild mit den zwei Miniaturschrauben und der Inschrift W.L. ausgetauscht – Nachmieter. Zwei „neue Knie“, das Übergewicht und die über 20 Jahre Arbeiten am Limit forderten ihren Tribut. Lippert starb während eines grippalen Infekts in seiner Wohnung und wurde durch seine Töchter leblos aufgefunden.

In der aktuellen ZEIT, Ressort Z, portraitiert Sonja Hartwig ihre zweiunddreißigjährige Friseurin Rieke und räumt sich selbst die stereotypen Denkmuster über Friseurinnen und Friseure aus. Denn die belesene Rieke mit eigenem Kopf und analytischem Kundengespür ist eben nicht „nur“ eine Friseuse. Sie kann ihr Handwerk, sie kann mit Menschen, sie mag das, was sie tut. Ob das für alle Intellektuellen, die ihrer Parentalgeneration dienlich sein wollen, das sind? Es ist nicht zu vermuten.

Und auch Lippert war Vollblutfriseurunternehmer. Getrieben. Sicher, auch er wollte es seinem Vater recht machen. „Du hast Holzhände. Niemals wird jemand zu dir kommen, um nur von dir bedient zu werden“, gab ihm der Vater auf den Weg. „Das wollte ich ihm sicherlich beweisen“, sagte dazu der Junior in einer SZ-Reportage. Das grandiose Ergebnis Lipperts jahrelanger Plackerei ist mitnichten nur auf freitanzende Lust am Erfolg zu buchen. Auch diese Einnordung des Vaters wird erheblichen Teil dazu beigetragen haben. Aber er hat es in positive Energie gewandelt, etwas daraus erschaffen, dass längere Schatten wirft und Menschen in Lohn und Brot bringt. Allgemeinhin spricht man davon, jemand habe eine Marke geschaffen.

Ja, das hat Wolfgang Lippert, der nun nichts mit seinem Namensvetter aus dem Fernsehen gleich hatte. Er ist eine Marke. Seine Lände L1 und L2, quasi nebeneinander, sind eine Münchner Marke. Er hatte feste Prinzipien, er liebte seine Töchter aufrichtig und sie ihn. Sie haben es auch übernommen, das Geschäft, die Bürde des aus dem eigentlichen, eigenen Leben gerissen werdens. Sie führen als e.K. die Geschäfte weiter, zusammen. Laut eigener Aussage habe man versucht, sie für dumm zu verkaufen, kurz nach dem Tod des Vaters, in Schockstarre. Sie blieben stur. Es läuft.

Im Interview mit Erich Lejeune betont er, dass sich manchmal auf Unternehmerkonferenzen Teilnehmer wunderten, dass da jemand mit nur zwei Filialen als Paradebeispiel geführt würde. Doch Lipperts Läden machen laut eigener Aussagen Millionenumsätze. Schon vor fast zehn Jahren war angeblich die 2-Millionen-Marke geknackt. So hat er direkt nebeneinander zwei Läden mit unterschiedlichen Stil erbaut, den Umbau seines Stammhauses erlebte er noch mit, die Eröffnung des L2 im Jahre 2009 begleitete SZ-TV bildreich. Generell waren die SZ-Reportagen (durch die ich auf ihn auch aufmerksam wurde) der mediale Ritterschlag seines Werkes.

Wolfgang Lippert hat mehr geschafft als eigentlich in ein einzelnes so genanntes Erwerbsleben passt. Er sich dabei oft vergessen. Sein Motto: Leben im Extrakt, Arbeiten im Extrakt. Sein Traum von der perfekten Dienstleistung wurde Realität. Bewiesen hat er sich, dass Kunden zu ihm kamen, um nur von ihm bedient zu werden. Wolfgang Lippert ist vor zwei Jahren mit 58 Jahren viel zu früh gestorben, aber er hat das geschafft, was vielen Menschen nicht mal im einfachen passiert: er hat seinen Traum gelebt.

Alles Gute, Wolfgang Lippert.

 

Meine, oft kurzen, Artikel über Wolfgang Lippert:

Wolfgang Lippert – erste Meldung
Wolfgang Lippert – in stillem Gedenken
Wolfgang Lippert – München nach Wolfgang Lippert

Hinweis: Das Beitragsbild ist aus 2016.

Bericht in der AZ über seine Beerdigung in Aying

Wolfgang Lippert in Interviews: