Die Liebe von Thomas Mann

Agnes E. Meyer war eine reiche Frau. Eine, die sich schlussendlich alles kaufen konnte. Fast alles. Denn die Anerkennung und die Freundschaft Thomas Manns war eine derjenigen „Dinge“, die mit keinem Geld der Welt käuflich waren, dennoch sie daher umso mehr begehrlich wurden.

Ab 1937 bis zu seinem Tode 1955 unterhielten beide einen Briefwechsel, der in dieser Audio-Fassung mit großer Liebe zum Detail vertont wurden. Nicht nur die Briefe werden abwechselnd vorgelesen, sondern durch Tagebuchaufzeichnungen Manns ergänzt. So divergiert manchmal das Geschriebene vom Gemeinten. Denn Meyer war Manns Förderin in mäzenatischer Art, wollte aber im Gegenzug Aufmerksamkeit und die Akzeptanz, ihre Ratschläge wahrzunehmen.

Die Sprecher Udo Wachtveitl (eher aus dem Münchner Tatort bekannt), Dagmar Manzel und Jesko von Schwichow machen einen guten Job.

Die Beziehung von Mäzen zu Künstler ist eine schwierige. Denn sie ist fragil, beruht auf Begehrlichkeiten, die sich der jeweils andere habhaft machen will. Es können Abhängigkeiten entstehen und peinliche Momente. Denn der geförderte ist immer auf das Wohlwollen des Förderers angewiesen und will sich diesem, ähnlich einem Kinde, entziehen.

Uli Hoeneß beschrieb das einmal so passend, dass wenn ein Scheich einen Fussballverein fördert, das zwar zu begrüßen sei, aber es klar sein müsse in der Beziehung, dass es kein beliebiges Invest ist. Denn, so Hoeneß, bei manchen Vereinen sei die Situation so, dass wenn der Scheich keine Lust mehr habe und lieber „in Pferdl investieren wolle, man den Verein als Puzzle am Kiosk kaufen könne“. Die Rechnung ist einfach wie schwer: Das Geben und Nehmen muss sich eine Waage halten, es darf nie chemisch kippen.

Aber dass tut es natürlich. Andernfalls ließe sich dieser Briefwechsel nicht so gut exkludieren. Denn es passiert natürlich das erwartbare: Beide zerstreiten sich auf das Übelste, hassen sich, demütigen sich, verletzen sich und sind dann nur noch eins: vulnerabel. Die Kinder werden mit einbezogen, es ist ein Stellungskrieg der Emotionen. Die Beziehung wird per Brief und Telefon gepflegt, doch sind wir nicht in der Zeit der blitzschnellen Kommunikation. Frust, Missverständnisse und Mund-zu-Mund-Post können herrlich gedeihen und tun das auch.

Die Pein ist beiderseits groß, Mann fühlt sich eingeengt und in Dankbarkeitspose gedrückt, Meyer fühlt sich ungerecht behandelt, da unverstanden. Das ganze kracht also hemmungslos durch die Niveaudecke nach unten, um dann, tja, was wird dann? Die Antwort ist nicht leicht, sie ist auch nicht zu geben. Wichtig ist daraus zu lernen, dass man eher defensiv agieren sollte, denn zerschlagenes Geschirr lässt sich schwer kleben.

Es ist mir ein Anliegen zu erwähnen, dass die Ausstattung der CD-Hülle ausserordentlich geschmackvoll geraten ist.

„Sie zu lieben, mein Freund, ist eine Kunst.“ ist erschienen in Der Hörverlag/Random House

Ich danke dem Verlag; ich erhalte kein Honorar.