Der Verschollene – verschollen

Manchmal ist ja doch der Ausspruch „Der Name ist Programm“ dann doch wirklich Programm. Die liebe Pressemitarbeiterin des „Der Audio Verlag“, Berlin, weiß ja, was ich so mag und schickte mir aus dem Bereich Klassik die ungekürzte Hörbuchfassung von „Der Verschollene“. Eingelesen wurde diese Fassung 1984 im Sender Freies Berlin (SFB, heute rbb) von einem ganz Großen neben Christian „The Voice“ Brückner: Peter Simonischek.

Der 1946 in Graz (A) geborene Schauspieler setzte sich mit dem Kinofilm „Toni Erdmann“ sein eigenes Monument schauspielerischer Leistung. Seine Stimme war und ist ein Monument. Denn auch wenn die Aufnahme von 1984 ist, ist sie technisch einwandfrei, doch wusste ich im ersten Moment des Hörens, dass diese nicht aus der aktuellen Zeit stammt. Simonischeks Stimme ist älter, dunkler, rauher geworden. Er liest das Buch solo ein, tut dieses in gleichbleibend angenehmen Timbre.

Nun, was meinte ich aber nun damit, dass der Name Programm sei? Denn die CD, die sich leider nicht in meinem Auto abspielen ließ (weiß der Teufel, warum), war nun zwei Monate als verschollen gegolten, bis ich sie in einem Buch wiederfand, in das sie wohl heimlich zu rutschen vermochte.

Worum geht es in diesem Roman Kafkas? Es ist einer der drei Romane, die Kafka zu Lebzeiten nicht abschloss. Es ist also als Fragment zu betrachten, welches aber das inhaltliche Ausmaß zur Publikation hat, insbesondere, da das erste Kapitel stand alone 1913 schon veröffentlicht wurde.

1927, drei Jahre nach Kafkas Tod, wurde durch Max Brod das Buch unter dem Titel „Amerika“ verlegt. Später ist es unter dem neuen Titel „Der Verschollene“ und unter neuer Ordnung von Kapiteln publiziert worden. Dies beruhte auf Aufzeichnungen und daher angenommenen Wünschen Kafkas.

Anfang 20. Jahrhundert: Karl Roßmann kommt aus bessergestelltem Hause und schwängert ein Dienstmädchen, woraufhin seine Eltern ihn per Dampfer nach Amerika übersiedeln wollen. Dort trifft er auf einen reichen Onkel, der ihn aufnimmt, ihn jedoch verstößt als er nicht seinen Weisungen Folge leistet. Folgend lässt Kafka seinen glücklosen Protagonisten anschlusssuchend durch das Leben straucheln. Über die Ausgänge des Romans gibt es aufgrund der fragmentarischen Situation verschiedene Meinungen.

Der Verschollene von Franz Kafka, gelesen von Peter Simonischek, ungekürzte Lesung (10:10:00) ist erschienen in Der Audio Verlag, Berlin.

Ich danke dem Verlag; ich erhalte kein Honorar.