„Schnappschuss des Weltgeschehens“

Es ist ein schönes Gefühl etwas auszukosten, was am verschwinden ist.

Über ein Buch eines Jemand, den man kennt, eine Rezension zu schreiben ist schwer, noch schwerer ist es, wenn man ihn mag, und noch für ihn arbeitet. Sie sehen, es kann sehr schwer werden. Als ich das Buch „Der letzte Zeitungsleser“ von Michael Angele in der Buchhandlung (ja, ich gebe es zu) sah, war ich sofort vom liebevoll gestalteten Schutzumschlag ergriffen. Diese Liebe zu dem, was im Titel steckt, nämlich der Zeitung, bildet dieser Umschlag über die Maßen ab.

Noch mehr aber der Innenteil: Galiani Berlin (Imprint KiWi) hat sich getraut, diesen Essay in der Spaltenbreite einer Zeitungsmeldung durchgehend (!) zu drucken. Was dem Gefühllosen wie Platzschinden daherkommt, ist in Wahrheit eine Verneigung vor dem Text, seiner Aussagekraft. Nicht die Menge macht die Aussage, die Verdichtung macht es.

Das interessante am Menschen sind seine Widersprüche.

Nun, warum ist es -inzwischen- schwer: Ich las dieses Buch, besprach es begeistert und schrieb -in typischer Gewohnheit- Herrn Angele einen Brief. Wir mailten, trafen uns in Berlin auf einen Wein und viele Erdnüsse und so entstand die Idee für ein erstes Interview von mir für den Freitag.

Er [der Zeitungsleser] hält sich die Welt fern, und liest über die Welt.

Freitag, fragen Sie? Ja, die linksliberale Wochenzeitung, gegründet 1990 und 2008 durch den Spiegel-Erben und Journalisten Jakob Augstein übernommen. Im Juni kam dann tatsächlich mein erstes gedrucktes Interview über ein Kulturthema im gedruckten Freitag: mein Gespräch mit Selfpublisher und Lindenstraßen-Autor Michael Meisheit, geführt in Berlin-Kreuzberg. Es folgten, unter anderem, das Interview mit BGH-Richter a.D. Prof. Thomas Fischer.

Man kann schöne soziologische Beobachtungen machen, wer welche Zeitung liest.

Dennoch hat sich mein Blick auf den Zeitungsleser nicht geändert: das Buch ist grandios und beweist quasi in Umkehr, dass Michael Angele und ich uns so gut verstehen: wir leben für und lieben die Zeitung. Gerne in gedruckter Form. Und mit Hingabe.

Lauschen Sie Michael Angele in diesem liebevollen Beitrag des MDR und schauen vielleicht einmal in die Vorschau des Buches? Es ist die 16 Euro wert.

Michael Angele: Der letzte Zeitungsleser ist erschienen 2016 bei Galiani Berlin/ KiWi

Tipp: Schauen Sie in die Leseprobe, um ein Feeling für die Gestaltung zu bekommen

Cover der letzte Zeitungsleser