Grisham: Der Erfolg … oder so

John Grisham und ich haben eine ganze eigene Geschichte. Nein, nicht persönlich. Tz, Sie schon wieder!

Nein, ich habe jahrelang seine Werke in Unkenntnis verlacht ob der im deutschen immer gleichen Titelstrategie: Bestimmter Artikel und Nomen. Lustig gemacht habe ich mich so oft: Der Staubwedel, Der Scheinwerfer, Der Strolch, usw. Nichts lag mir ferner als Grisham zu lesen.

Bis zum Dezember 2010. Ich latschte über die Leipziger Straße in F-Bockenheim und kam in der Kathedrale des billigen Konsums vorbei. Woolworth. Ich war vor kurzem wieder da, es hat sich nichts geändert. Es riecht nach Plastik, wenig Deo, akzeptierter Armut und anhaltender Geschmacklosigkeit. Und an einem Grabbelregal draußen stand es. Das Hörbuch von „Die Firma“. Aus reiner Langeweile griff ich diese CD-Schachtel, es war eiskalt und mein Atem dampfte, und las den Inhalt.  – – –  Und war ergriffen. Ein junger Anwalt kommt auf normalen Wege in die Fänge einer korrupten für die Mafia arbeitende Sozietät nach Memphis. Klar, alles überzeichnet, alles etwas kitschig, und doch mit einer tieferen Metaphorik. Es ist ähnlich Serien wie „Hör mal, wer da hämmert“ oder „Die Nanny“. Nur vordergründig Klamauk und Witz. Dahinter steht oft die grundlegende Kritik an bestehenden Verhältnissen.

Nicht umsonst steht die Kanzlei Bendini, Lambert & Locke in der Front Street. Was erweitert übersetzt für „Fassadenstraße“ steht. Nichts anderes ist die Kanzlei: Fassade für die Mafia. Doch der Roman und auch die schöne Verfilmung von 1993 (es sind die goldenen Neunziger!) kommen nicht zu verschleimt daher, sondern gewitzt.

Was die Hörbücher Grishams so besonders übrigens macht, ist ihr Erzähler. Was Charles Brauer da zustande bringt ist auch unabhängig des Inhalts Kunst! Er schafft es, mit seiner Stimme, seinem Timbre, seinem Tempo, seiner individuellen Ausdrucksweise für jede Figur eine ganz eigene Hörwelt zu schaffen. Ein Werk neben dem Werk.

Grisham ist ein Verkaufsschlager, wird mit seinen Jura-Thrillern mega erfolgreich, verkauft über 300 Millionen Bücher. Es ist Wahnsinn, fast nicht fassbar mehr.

Ein wunderbar Kurzfilm von CBS über Grishams Arbeit:

Nun kommt mit „Das Original“ ein neuer Grisham auf den Markt. Mich hat das Buch nicht wirklich gefesselt, obwohl ich am Schreibstil klar Grisham erkenne. Doch diese Thematik mit Räuberbanden und deren Verfolgung holt mich nicht ab. Ich bleibe da bei seinen klassischen Jura-Thrillern.

Doch, was lernen wir: Was man nicht kennt, sollte man nicht ächten, sondern testen.

Eine Empfehlung für alle Weihnachtsmuffel ist Grishams kritisch-ironisches Buch über Weihnachten: Das Fest (wie sollte der Titel sonst sein?)

John Grisham: Das Original ist erschienen bei Heyne/Random House

Ich danke dem Verlag; ich erhalte kein Honorar.