Das beste an schlechter Laune: Dieses Buch

Andrea Gerk hat etwas geschaffen, dass konträr der Erwartung ist. Ein Buch über schlechte Laune steht eher für das Erschaffen von selbiger als das Kreieren von Fröhlichkeit. Denkt man.

Wahrscheinlich hat die Autorin in diesem Werk die fundierteste Quellensammlung über die schlechte Laune außerhalb der wissenschaftlichen Literatur erschaffen, die es auf der Welt gibt. So differenziert, so zart so der schlechten Laune um Verständnis ringend zugewandt, schafft es die Journalistin eine 282-seitige Seite 3 zu schaffen – zuzüglich Quellen!

Andrea Gerk versucht dahinter zu kommen, hinter die dunkle Fassade der negativen Verfassung. Brauchen wir sie? Woher kommt sie? Bedingt schlechte Laune die gute? Sie spricht mit dem Literaturforscher Winfried Menninghaus (toller Prof. hier in Frankfurt, dem man Gehör schenken sollte!), sie geht ins Hotel Adlon, wo gut betuchte Menschen ihre schlechte Laune an dem lieben Personal auslassen. Sie seziert mit einer Ausdauer alle Darstellungsformen schlechter Laune: von der Kunst des Schimpfens, der Erotik schlechten Benehmens (das gibt es wirklich!), die Unterhaltsamkeit von schlechter Laune, und der Laune als Luxus.

Ich kenne jemanden, der gerne schlecht gelaunt ist und dazu steht: Der österreichische Soziologe und Buchautor Bernhard Heinzlmaier. Er liebt seine schlechte Laune und kultiviert sie auf twitter sekundengenau. Er kaufte sich das Buch sofort auf meinen Tweet hin.

Und wenn nicht er, wer dann, sollte sich damit besser auskennen, ob sich etwas lohnt.

Es sei noch anzumerken, dass Kein & Aber wieder eine wunderbare Ausstattung und eine sehr angenehm zu lesende Serifenschrift wählte und allein das Buch in seiner haptischen Form wunderbar zu genießen ist.

Andrea Gerk: Lob der schlechten Laune ist erschienen bei Kein & Aber

Ich danke dem Verlag; ich erhalte kein Honorar.