Alexander Gorkow: Hotel Laguna

Also allein für das Coverfoto und den Halbleineneinband lohnt es sich das Buch zu kaufen. Ja, gucken Sie nicht so verächtlich. Hätte man auch wirklich hässlicher machen können. Aber Sie sollten beim Verschenken von Büchern doch in Zukunft besser auf den zu Beschenkenden achten. Ich ziehe aus den Frankfurter Bücherschränken viele Bücher mit Widmung zu allen möglichen Geschenkanlässen. Leider vereint die Bücher eines: keines wurde je gelesen.

Mit Alexander Gorkows Hotel Laguna könnte das mit dem gelesen-werden dennoch eine erhöhte Chance auf Erfüllung haben. Nichts peinlicher die Momente, wenn man als Schenkender fragt: Sag mal diese Szene da und dort und der Beschenkte, nunja, es weglächelt, weil er nichtmal die ersten Seiten gelesen hat. Muss er ja auch nicht. Doof ists trotzdem.

Alfred Biolek hat es bereut. Nunja, oder zumindest hat es ihn nicht so erfüllt wie geplant. die Rückkehr in die Paradise der Kindheit. Es war für ihn doch eine Ernüchterung, die Vergangenheit auch durch Besuche nicht mehr zum Leben erwecken zu können. Es ist eben die Erinnerung und die ist physisch nicht mehr bereisbar. Zu großen Teilen war sie schon damals fiktiv.

Alexander Gorkow leitet seit 2009 die Seite Drei der SZ, allein das ein mehr als Full-Time-Job; diese oft grandiose Reportageseite zu gestalten. Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur der Zeit, betont gerne, seinen Redakteuren das Autoren-Sein austreiben zu wollen für gute Artikel. Nunja, das klappt bei ihm selber auch nicht wirklich. Manchmal treiben einen die Ergebnisse der Schreibkunst auch eher die Schmaesröte in die Wangen. Weiß man doch, wenn das Buch auf konventionellen Wege zum Lektor gelang wäre, wäre es abgelehnt worden.

Ihm wäre auch der konventionelle Weg offengestanden, das Buch ist klasse. Es ist ein Lebensrückblick, eine Liebe zum Vater, eine kritische gesellschaftliche Auseinandersetzung durchsetzt mit Loriot-artigen Dialogen. Es schwingt Kerosin, Salz geschwängerte Luft und limitierte Sehnsucht mit.

Wenn ein Buch gut rezipiert merkt man immer dann, wenn die Presseabteilung des Verlags unter Stress ist: ich bekomme ihn kaum für Termine frei, schreibt mir die wirklich engagierte Pressedame von KiWi, auch Emails seien eher schwierig. Es ist ihm durch und durch zu gönnen, dem Gorkow.

Rückreisen können frustran und so klamm peinlich sein. Nicht so Gorkows. Gehen Sie mit ihm auf Reise.

Boarding completed.

Alexander Gorkow: Hotel Laguna ist erschienen bei KiWi

Ich danke dem Verlag; ich erhalte kein Honorar.