Gut gebrüllt, Joschka!

Michel Friedman lebt in Frankfurt, doch tendiert er immer öfter nach Berlin. Nicht nur seiner wöchentlichen Sendung „Studio Friedman“ bei N24 (heiß bald WELT) wegen, sondern Intendant Oliver Reese nahm ihn mit ans BE, das Berliner Ensemble.

Das BE stand ewig unter der Ägide von Claus Peymann, der nun in seiner wohlverdienten, aber sicher wenig geliebten Rente weilt. Nun also mit dem erfolgverwöhnten Reese, der vorher fast acht Jahre in Frankfurt dem Schauspiel zu ganz neuem Glanz verhalf und den BE-Kult fortführen soll. Allem Anschein und dem Raunen im Berliner Kulturbetrieb nach, wird das klappen. Der Auftritt ist modern, grell aber zugänglich. Er ist nicht mehr verstaubt, nicht mehr für die Happy Few ausgelegt.

Friedman und Reese mögen und achten sich sehr, wie man an Reeses liebevoller Verabschiedung von Friedmans letztem Gespräch mit Carolin Ehmcke sehen kann (Video hier). Nun nahm Reese Friedman also nach Berlin mit. Und als ersten Gast begrüßte er auf seiner alten Couch (zog wohl nach Berlin ans BE mit) Joschka Fischer einen Tag nach der verheerenden Bundestagswahl.

Und was soll man sagen, so aufregend war es noch nie!

Gleich wenige Minuten nach Einstieg brüllte eine AfD-nahe Frau in das Gespräch rein und Fischer reagiert emotional, direkt und glasklar. Sie liess sich vorerst bändigen, um dann Minuten später wieder zu rufen und zu schreien. Das Publikum gebot ihr Einhalt, Fischer schwamm im Oberwasser der Deutungshoheit.

Und auch was er sonst sagte, war nicht so leer, wie ihn Journalisten gerne kritisch darstellen. Fischer hat Ahnung, er kennt sich in internationaler Politik aus. Er weiß, warum die von vielen so gewollte Abschottung und Kleinstaaterei nur gefährlich werden kann. China, USA und der Nahe Osten brauchen Deutschland nämlich nicht, so wichtig, relevant und unersetzbar man sich hier doch gerne hält.

Nur mit einem geeinten Europa kann man in der rasch sich globalisierenden Welt überhaupt eine Staatengemeinschaft sein, die einigermaßen relevant für die Big Player erscheint. Das eint Fischer mit Friedman, der an der FH Frankfurt als geschäftsführender Direktor das CAES, das Center for Applied European Studies, leitet.

Also, genießen Sie dieses wichtige Gespräch!

Und: Gehen Sie wählen! Informieren Sie sich kritisch! Meiden Sie rechte Thesen und die Vorgaukelung angeblich einfacher Lösungen – die gibt es nämlich nicht! Halten Sie gegen das dunkle Gedankengut!

Rechts ist scheiße! Das hatten wir schon alles einmal…findet auch…Fischer:

https://soundcloud.com/blnensemble/europa-friedman-im-gesprach-mit-joschka-fischer-25092017

 

Beitragsbild: Screenshot Berliner Ensemble-Website.