Rezension: München – ein Gesellschaftsroman

Ernst-Wilhelm Händler, oder wie ich ihn in Anlehnung an E. T. A. Hoffmann immer nennen, EW Händler, hat auf Amazon wenig Freunde. Oder ehrlicher: keine. Keiner findet seinen neuen Roman „München – Ein Gesellschaftsroman“ gut. Also bestellte ich mir bei S. Fischer den Roman und nach den Probeseiten schien es mir ein gelungenes Werk zu sein.

Es mag auch gelungen sein, ein Buch erfordert immer viel Liebe und Arbeit und einem Rezensenten sollte es nie obliegen das grundsätzlich in Abrede zu stellen. Doch auch ich werde leider mit den Figuren, der Handlung, dem Sinn nicht warm. Und das tut mir leid. Kunst muss überfordern (R. Willemsen), Kunst muss nicht immer verstanden werden. Aber insbesondere im literarischen Bereich wird der Konsum bisweilen sehr qualvoll und behäbig. Leider bleiben die Figuren vage, die Häuser umso detailreicher beschrieben und die Handlung oft ohne Handlungskausalität.

Jeder Plot wirkt banal, wenn man ihn nüchtern beschreibt, dennoch bei diesem fast erheiternd: aus kindlicher Verletzung humpelnde, aus vermögendem Hause kommende Psychotherapeutin macht sich in Grünwald selbstständig, hat eine beste Freundin, Architektin, die mit ihrem Freund fremdgeht. Freundschaft zerbricht einstweilen und Protagonistin lernt älteren Autoren kennen, alter ego des echten Autoren. Praxis läuft nicht. Alles komisch.

Ich habe dem Buch hundert Seiten gegeben, habe es dann doch weggelegt. Das tut mir leid. Wenn der Autor das hier wider Erwarten und wider Erwartung lesen sollte: Schreiben Sie mir gerne Brief oder Email und lassen uns in München bei einem Kaffee treffen und reden.

Ernst-Wilhelm Händler: München – ein Gesellschaftsroman erschienen bei S. Fischer Verlage

PS: Vielleicht mag EW Händler Häuser auch mehr beschreiben als Menschen, weil er damit auch Geld verdient? Vielleicht ist das hier ja seine Firma? Und die Abkürzung EW Händler ihm gar nicht so fremd?

Ich danke dem Verlag; ich erhalte kein Honorar.