Rezension: Kino

Also, Martenstein war mir natürlich ein Begriff als ZEIT-Leser, dennoch ich seine Kolumne im ZEIT-Magazin routiniert überblätterte. So war es das schöne Cover, welches meinen Blick einfinge. Er, Martenstein, sitzt mittig in einem sonst leeren Kinosaal. Auch dieses Buch ist ein Konvolut seiner Kolumnen und nach den ersten drei war mir klar, dass dies ein Buch ist, welches man kulturell interessierten Menschen gut überlassen kann. Wie zärtlich und treffend der Autor die Situation der Gesellschaft aus Ost und West in Berlin 1999 beschreibt, hat schon gerechtfertigt, dieses Buch zu lesen. Oder die Venedig-Seiten: Wie Martenstein auf wenigen Seiten in das Leben eines jungen Rezensenten mitnimmt, der italienische Filme („grauenhaft“) nicht zu sehen bekommt (keine Plätze!) und dennoch bespricht, besprochen haben musste. So lässt er sich die Filme von Dritten erzählen und resümiert, dies seien vielleicht seine besten Kritiken. 

Immer wieder sind Kinofilme Bestandteil der Kolumnen, dennoch der Titel bitte metaphorisch zu verstehen ist. Denn Martenstein schafft es, das Kino des Lebens zu erfassen (als einer von wenigen wie das Cover trefflich fast) und dann das ganze noch suterhaft in wenigen Seiten zu entzündet.

Harald Martenstein: Kino ist erschienen bei C. Bertelsmann/Random House.

Ich danke dem Verlag für die kostenfreie Bereitstellung des Rezensionsexemplars; ich erhalte kein Honorar.