Fräulein Julie im Frankfurter Schauspiel

Die drei jungen Schauspieler schaffen es, in der BOX, der kleinsten Spielstätte des Frankfurter Schauspiels, die keine Bühne mehr ist, sondern wirklich eine Box mit sechzig Plätzen und ebenerdiger Spielfläche. Das Stück aus Ende des 19. Jahrhunderts erzählt in freier inhaltlicher Ausgestaltung den Kontakt von Fräulein Julie und ihrem Knecht Jean, sowie dessen Frau Kristin. In der Mittsommernacht verschwimmen die Ständegrenzen und aus Musik, Tanz, Unterwerfung, Gehorsam und unbändiger Lust wird das gesellschaftliche Desaster am nächsten Morgen. Die Umstände führen Julie in den Untergang.

Diese Vorstellung der drei Schauspieler ist atemberaubend, die BOX entfaltet einen engen Zauber der mittelbaren Zuschauerbeteiligung. Eine hohe, knapp exhibitionistische Körperbeteiligung unter voller ausdauerlicher Hingabe überzeugt in ihrer Authentizität aller drei Akteure. Insbesondere Alexej Lochmann (Jean) und sein Fräulein, verkörpert von Katharina Bach, überzeugen durch Anbändelung und Körperlichkeit in einem durchgehenden Zusammenspiel.

Dem ganzen die Krone setzt die Impovisation der beiden auf: So wird das Ende der Intendanz Oliver Reeses, das Handyklingeln einer Zuschauerin oder das anstehende Silvester spontan thematisiert. Hier überzeugt Bach im ersten Drittel mit einem spontanen Monolog ad extensio.

Grandios umgesetzt und für 12€ ein Megaschnapp an leibhaftiger, lebendiger und lustvoller Theaterfahrung.

Jeweils eine Vorstellung im Januar und Februar 2017!