Rezension: Seltene Affären

Thommie Bayer war mir bisher als Autor nicht bekannt, so wurde ich durch das Cover seines Buches Seltene Affären aufmerksam und gleich zu Anbeginn in den Bann gezogen. Es ist ein wunderbarer „Weglesroman“, dass bedeutet bei mir, dass ich diesen in ein oder zwei Abenden weglese.
Und so war es auch hier.
Mit erquickender Leichtigkeit skizziert Bayer das Leben von Peter Vorden, den er von Montags bis Donnerstags den zweiundsechzigjährigen Mitbesitzer eines Restaurants und an den anderen Tagen den Ghostwriter der Kurzgeschichten seines Bruders sein lässt. In seinem unaufgeregten Leben als Gastgeber im Restaurant beschreibt Bayer geschickt die Eintönigkeit von Alltag, ja geradezu die Anspruchslosigkeit an das Bestehen dieser immer gleichen Anforderungen.
In den Tagen Freitag bis Sonntag aber lebt Peter Vorden als Autor, als Lebensgenießer mit seinem Blick im südbadischen Dorf auf eine Eisenbahnstrecke, dessen Sonnenspiegelungen der Züge mir immer noch in Erinnerung sind. Bayer dekliniert die Liebe durch  in allen ihren auch frustranen Facetten. Anhand seiner nie real in Erscheinung tretenden Putzfrau Chiara, seines Bruders und dessen Frau, die eigentlich er liebte, aber seinem Bruder Vorrang ließ. Auf Gedanken- und Traumebenen arbeitet Bayer diese Lieben, diese Gefühle weiter durch und lässt den Leser oft erst glauben, es sei Realität und kein Traum, durch diesen sich sein Protagonist schleicht.

Das Werk Weißer Zug nach Süden stellt den Vorband zu diesem Roman dar. Denn dort ist die im hieisgen Band fiktiv bleibende Chiara die Putzfrau, die den Wohnungsbesitzer Vordan nie zu Gesicht bekommt und mit ihm gedankliche Dialoge führt. Leider wurde mir das jetzt erst bekannt, aber ungeachtet dessen ist nie das Gefühl entstanden, dieser Band sei ein banaler Folgeroman; er besteht autonom.

Seltene Affären von Thommie Bayer ist bei Piper erschienen.

Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar; ich erhalte kein Honorar.
Beitragsbild: Piper Verlag