Im Aufzug der Gefühle

Mathias Döpfner, CEO der Axel Springer SE, sagte einmal süffisant, mit der BILD führe man im Aufzug hoch – und wieder runter gegebenenfalls. Heute fuhr ich mit einer Gruppe angehender Flugbegleiterinnen (also wirklich -innen) im Aufzug nach oben. Die Stimmung fuhr uns aber diametral nach drei Metern Steigflug in den bodenlosen Keller.

Die optische Unversehrtheit wurde durch die erbarmungslosen Lichtstrahlen des Aufzugs in kraterartige Landschaften gefurcht, die Dame direkt vor mir knetet sich unvermittelt das Gesicht wie einen Rücken im Robinson Club, um damit zu determinieren, dass sie mit dem heute frisch ondulierten Dutt ein zu rundes Gesicht habe – sofort, fast vor Ende der eigentlichen Aussage, überholt sie ihre Gegenüber mit dem Dementi dieser Tatsache.

Damit wäre das zwischenmenschliche Pling-Plong der aufwertenden Aufzugfahrt beendet, doch spontan dreht sich eine dritte Kabinenstewardess zu den beiden vor mir stehenden Grazien und sagt einen Satz wie ein elektrisches Hähnchenmesser: Dein Gesicht ist nicht rund, das ist oval! — Ja, hast du ja irgendwie recht, pflaumt Angesprochene leise zurück.


Nach dem Bildungsdiss des Tages folgen 2,5 Stockwerke verstockte Stimmung, denn die drei Akteurinnen werden nun von verstummten Kolleginnen und mir zangenartig angeschwiegen, bis uns der Erbarmen habende Fahrstuhl in der 3. Etage ausspuckt und uns alle in das ovale Gebäude verstreuen lässt.