Rezension: Das Zimmer

Das hundertzweiundsiebzigseitige Buch ist bei Luchterhand, seines Zeichens Literaturverlag, erschienen. Der Schwedische Autor Jonas Karlsson hat damit einen Bestseller hingelegt. Umso mehr Grund, kritisch zu betrachten was vorliegt.Das Buch ist angenehm ausgestattet, mit haptisch ansprechendem Umschlag mit Längsprägung, die Schrift eine im satten Schwarz gesetzte Serife mit Längsstreckung. Anhand der Kapitelstruktur ist die literarische Ausrichtung erkennbar. Die Erzählweise des Autors ist in Kapiteln asynchroner Länge und Gestaltung, der Erzählung in sattem Grau, flacher Erregung und gleichbleibender Melodik. 

Der Strick auf dem Titel umschreibt sinnreich das Leben des Protagonisten. Ein filigraner Stromberg, der neurotisch, emotional defizitär und verrückt selbst- und fremdwahrnehmend ausgestattet ist.

Anhand des beruflichen Wechsels in eine Behörde zeichnet Karlsson ein wortreiches Psychogramm der Arbeitswelt in den anonymen Teppichetagen dieser Welt. Niklas Luhmann (Der neue Chef, Suhrkamp) hätte seine Freude – seine messerscharfen Soziologie-Analysen in Prosa gesetzt.

Mich hat das Buch handwerklich überzeugt, aber wer Abschaffel und Der blühende Lavendel kürzlich las, wird in der der Darstellung eintöniger Tiefe nicht gerade gereizt, weiterzulesen.

Dennoch rate ich zu diesem Buch, wer Lust hat, denn Das Zimmer wird in Absolutheit infrage gestellt: Ist es real oder irreal? Eine Frage die im Hinblick auf die Authentizität der Beschreibungen auch auf unser Zeitalter der Arbeitswelt gefragt werden sollte.

Weite Informationen finden Sie bei Luchterhand/Random House; klicken Sie gerne hier.

Das Exemplar wurde mir freundlicherweise von Random House zur Verfügung gestellt. Ich erhalte kein Honorar.