Der Schalenmann

…über andere Eindrücke.

In Trauer um Guido Westerwelle. 
1961-2016
Ein Mann, nach außen schrill und mit dem Hang zum Unsympathischen, der sich aber unter einer zwiebelartigen Verschalung verbarg, um nicht seiner Art wegen verletzt zu werden. Schwul gewesen zu Zeiten als in der ‚guten BRD‘ noch nichts gut war bei der Homoakzeptanz. Anders gewesen auch außerhalb der zwischenmenschlichen Anziehungskraft. „Ihr kauft mir den Schneid nicht ab!“, sein legendärer Ausruf als distanzhaltende Kampfansage ans verbeamtete Establishment – und an seine Partei. 

Er war zeitlebens umstritten, sein 18%-Wahlampf 2002 bleibt unvergessen. Das Guidomobil auch.

Nach dem Ausscheiden aus dem BM des Auswärtigen 2013 und der Rückgabe dessen an seinen Vorgänger, FWS, gründete er die Westerwelle Foundation. Die Verständigung, die diese zum Ziele hat, wurde ihm als Fähigkeit im Amt nicht zuerkannt. Kosmopolit war nicht seine galante Kragenweite. Und doch war er voller Verve und Mut. Selten geachtet und daher umso authentischer.

Nach einem Jogging-Ausrutscher im Sommer 2014, wurde seine Krankheit entdeckt; der Kampf begann. Und schien zumindest errungenes Plateau zu sein als er mit Dominik Wichmann im September sein Buch vorstellte.

Es sollte nicht sein; der Wunsch nach einem Leben außerhalb der Politik. Nachdem er Ende November wieder durchgehend in die Klinik musste, verstarb er nun an einer Lungenentzündung (SZ) im Kölner Uniklinikum. 
Sein Patientenname war Paul Frings.
Sein wahres Ich war ebenso getarnt.