Verkauf‘ dich nicht unter Wert!

Über menschliche Werte.

Ein Anfang. Ein Versuch. Ein Essay. Oder nicht.

Was ist Menschen ein Mensch wert, um mit ihm eine Beziehung einzugehen. Ein schwieriges Thema. Fast schon so gefährlich, um es ob der aufbrandenden Gegenwehr seitens der gestanzten Wertenormen überhaupt anzufassen. Denn, alles, nur nicht allein unsere Gefühle, sind Gründe, um uns einem Menschen anzubinden. Viel mehr spielen „Werte“ wie Geld, gesellschaftliches Ansehen, Perspektiven und damit die zu erwartende Sicherheit eine Rolle.

Der Titel „Verkauf´ dich nicht unter Wert!“ rührt aus einem stanzartigen Imperativ der bundesdeutschen Erziehung. Er riecht nach sechzigern, nach Muff und weiblicher Unterdrückung und dennoch wird er heute (immer noch?) mit einer leidenschaftlichen Hingabe gelebt, die mir die Tränen in die Augen treibt.

Paare verbinden sich, betonieren sich, nur um des Vermeidens von Alleinsein (Einsamkeit!) und dem Verlust von Status. Was sollen denn die Leute denken, ist nicht nur ein Satz von Notfallpatienten. Auch der normale Bürger von Welt und Dorf legt sein Glück verheißungs- und erwartungsvoll in die Hände seiner Umgebung. Die ihn wiederum zu Handlungen nonverbal vollführt, die gar nicht seinem Wunsch entsprechen.

Da wird sich in Beziehungen wider besseres Wissen gestürzt und ein Zweckoptimismus gelebt, bei dem Zwiebeln nicht mehr Tränen erzeugen könnten.

Irgendwann wird es den Menschen bewusst, dass sie falsch abgebogen sind – was nicht schlimm ist! Die mögliche Revidierbarkeit oder Änderung ist dann wichtig. Doch meistens ist der Zug sprichwörtlich schon abgefahren. Und der Mut aus dem Korsett an Erwartungen, Verpflichtungen und moralischer Eigenbewertung auszubrechen, ist den meisten Menschen unmöglich. Zuviel Sicherheit, Absicherung und Halt in der Gesellschaft geben das Korsett, das würgt und gleichzeitig die Welt in Formen hält. Und so blicken sie ertragend in eine Zukunft, die reißbrettartig ist.

Mit den kleinen Hoffnungen des „Wenns“.

Wenn wir Kinder haben, wenn wir das Haus haben, abbezahlt haben, größer haben, wenn wir Urlaub haben, wenn…wir in Rente sind. Ein Zeitstrahl des Konjunktivs. Mehr nicht. Liebe kann vergehen, Gefühle auch, und das ist völlig normal. Doch die moralisierende Haltung, die sich die Kirche nie besser hätte ausdenken können, hat unsere Gesellschaft im festen Griff.

Wenn die Menschen dann noch wenigstens Kirchensteuer zahlten!

Wie verwirtschaftlicht ist die Partnerwahl! Das es keine „reale“ Mitgift mehr gibt, ist verwunderlich. Denn der Titel dieses Artikels wirft eine fragwürdige selbstgefällige Eigenwahrnehmung auf. Im zweiten Atemzug kam in den 60ern noch das Wort „Partie“ vor. Inge Meysel in ihrer Paradorolle als fürsorglich, erdrückende einfach gestrickte Mutter in „Die Unverbesserlichen“ umreisst diesen Typus Mensch sehr deutlich. Immer das System und nie den Menschen im Blick, steuert sich diese Familie von einem Unglück ins nächste immer von der eigenen Unschuld und dem scheinbar besten Willen beseelt. Selbstkritik findet hier nicht statt. Auto, Wohnung, Job (was sicheres!) sind die ersten Prioritäten. Kann der dir was bieten? Nicht kann er dich erfüllen, begeistern, lieben, begehren und Freude bereiten (nicht „glücklich machen“!) – und ist selber dabei bei sich.

Alles muss auf Dauer, auf Linie gezogen werden. Ver-sichert.

Voranschreitendes Alter, Kinderlosigkeit und die Angst alleine zu bleiben, treiben Menschen in Beziehungen wider Willen. Wider Vernunft. Wider Liebe.

Es muss in die Dogmen, Ansichten, Schemata passen, die anerzogen sind und wie auf Autopilot gelebt werden. Hinterfragt wird hier nur das Sonntagskuchenrezept.

Kein Crew Resource Management fragt: Will ich das, wollen wir das?

Wer will das und vor allem: warum?

Wenn Fragen stellen nicht en vogue ist, ist immer etwas faul.