Mach‘ doch nen‘ ruhigen!

…über gewollte Unsicherheit.

Der Titel wurde mir immer wieder im Angestelltendasein unter die Nase gerieben. Warum ich mir immer so einen Stress machte, war die vorherrschende Frage resignierter Kollegen. Das Geld, so die einhellige Meinung, käme doch so oder so zum nächsten ersten des Monats – warum also über Gebühr strapazieren.

Darum!

Wie Roger Willemsen sagte, man müsse auch mal etwas tun, was nicht lustig ist, habe ich mich immer der Pflichthingabe und Verantwortungsübernahme zugewandt gesehen.

Außer bei der Wehrpflicht, ich bin wirklich kein Freund des Militärs.

Die meisten abhängig Beschäftigten (diese Beschreibung kenne ich erst, seit ich es nicht mehr bin) sind von einer Scheu und Abwehr gegenüber dem ausgestattet, was sie am meisten im Leben tun – ihrer Arbeit. Und umso mehr verwundert es, wie destruktiv und mit er- und abwartender Katastrophenhaltung sich auf die Rente als Lockwurst gefreut wird. Doch Menschen, die ihr ganzes (und was ist schon „ganz“?) Leben auf eine angebliche verheißungsvolle Oase namens „Rente“ warten, leben nicht, sie darben. Sie warten auf etwas, was sie nicht kennen und woher wollen sie denn wissen, was gut für sie ist, wenn das schon bei der Wahl von Job und Privatem 65 Jahre nicht klappt? Warum nur sind viele Menschen so ohne Verve? Wer hat ihnen diese genommen? Haben wir nicht alle einen Urtrieb an Interesse und Neugier? Ich will immer alles wissen, mich informieren, von meinen Mitmenschen Neues und Spannendes erfahren.

Warum nur ist das vielen völlig egal?

Sie drehen sich unaufhaltsam um sich selbst und ihr angeblich schlimmes Leben, für das sie nichts könnten – und es gleichzeitig aber auch nicht ändern und nicht ändern wollen.

Nölen kann nämlich auch befriedigend und befreiend wirken.

Sicher, vielen fehlt die Kraft, hatten schlechte oder zu gute Startbedingungen. Und doch bleibt ein Geschmäckle wenn gerade in unserem Land Leute mehr nölen, als man es von Menschen eines Schwellenlandes eher erwarten würde.

Sattheit macht anscheinend in der falschen Dosis unglücklich.

Ein gewisser Hunger, ein nicht zu stillender Durst hält frisch. Eine Abhandlung von Schulsystem, Erziehung und sozialem Miteinander würden die Dimensionen hier sprengen, doch sei gesagt, dass sich Verve, Willen und Freude für etwas immer auszahlen. Man muss nur in sich hören und erkennen, für was man steht und was man will. Und nicht, was andere denken, meinen, sagen. Denn die sind in der Regel nicht glücklicher. Das klingt alles nach billigem Coachingseminar in Wanne-Eickel. Es ist aber wahr. Doch dieses Wahre kann jeder nur für sich selber erkennen. Denn schlimmer als in einer Duldungsstarre zu verharren, ist ein Belehrzwang.

Bleiben Sie hungrig!