Baumarkt der Unsitten

…über Umgehorsames im Alltag.

In unseren Breitengraden sind „No-Go-Areas“ in den allermeisten Fällen dem Sprachgebrauch von rechtspopulistischen Einfaltspinseln zuzuordnen. Bis zu dem Tag als mir eine Freundin von ihren Baumarkterlebnissen berichtete und mit allem Nachdruck betonte, dort nie mehr alleine hinzugehen. Zugewandt im Auftreten, liebreizend in der Kommunikation und dennoch nicht aufreizend in Erscheinung und Habitus, sorgte bisher jeder Besuch eines Heimwerkermarktes für zwischenmenschliche Irritationen. Denn die oft als fehlend monierte Motivation von dort tätigen Servicemitarbeitern scheint eben nicht zu fehlen, sondern sich in Anbahnungsenergie zu transformieren. So hefte sich bei jedem alleinigen Besuch eine ungewollte Art Fleischbeschauattitüde an sie. Unweigerlich gerieten einzelne Verkäufer in Hochberatungsstimmung, doch das Ziel ist hierbei kein bedarfsorientierter Verkauf, mehr ist das Nageln in ganz anderem Sinne auf der Stirne ablesbar. Und nicht nur ablesbar in der  nonverbalen, nahekommenden Anflugpräzision, sondern in ganz klar formulierten Sätzen, die avisierte Bank für den Balkon würde zwei Personen locker aushalten, auch in „spaßhabender Position“ garniert mit einem schmierigen Lächeln, welches eine Missinterpretaion nicht zulässt. Die Freundin schaut immer noch geschockt, wenn sie dies mit einem Kaffee in ihrer Hand schildert und betont im selben Atemzug, daher keinen Baumarkt mehr alleine zu betreten, dennoch die o.g. geistige Unpässlichkeit des Mitarbeiters in situativ entfernter Anwesenheit der Mutter passierte. Ergriffen habe sie keine Maßnahmen ob des nachhaltenden Schocks.

Meine Verachtung haben diese „Männer“ sicher. Willkommen in 2016. Das Problem sind keine „Fremden“ und kein Kölner Hauptbahnhof, das Problem ist schon längst da – es war nämlich nie weg.