Besprechung: Notizbuch von Peter Handke

…über Verdichtung.

Notizbuch vom 31.08.1978 bis 18.101978, Insel-Bücherei Nr. 1367

Das quasi sekundäre Werk von Peter Handke (P.H.), seine Notizbücher, erscheinen Stück für Stück bei Insel. Doch die Kunst beginnt bei Suhrkamp/ Insel nicht beim Inhalt. Es beginnt bei der Aufbereitung, bei der Darbietung, bei der Verarbeitung.

So wiegte ich das Buch öfter in meinen Händen als ich es las, ließ meine Fingerspitzen über den harten Umschlag mit der Einlassung für den Titel analog eines antiquarischen Schulheftes gleiten und genoss allein hierbei schon das Haben desselbigen.

Auf knapp 63 Seiten gliedert sich das Werk in drei Teile. Beginnend mit den Abbildungen des Original-Notizbuches inkl. drei Zeichnungen, der Transkription mit leichten, verständnisermöglichenden Ergänzungen, und dem editorischen Bericht von, wem auch sonst, Raimund Fellinger – Handkes langjährigem Lektor.

Auf den 24 Seiten des Notizbuches lässt sich ein Einblick in Handkes Arbeitsweise erahnen. Das als Nr. 16 in der Forschung geführte Notizbuch ist bisher nur als Kopie verfügbar. So geht Fellinger im sehr ergiebigen, detailreichen Bericht neben Handkes textlichen Handwerk, auch auf die Details zu den Notizbüchern ein.

Die Zeichnungen, mit denselben Stiften, die auch zum Schreiben verwandt wurden, schafft es die eine von Seite 15 (Original Seite 75) auf den Titel der Taschenbuchausgabe von Langsame Heimkehr aus 1984. Lediglich eine handschriftliche Notiz und das Entstehungsdatum (typisch für P.H.) werden retuschiert.

So kann sich beim Blättern der hellen, anfangs leicht rauen Papierseiten, P.H.s Arbeitsweise zusammengenommen mit den editorischen Notizen Fellingers, leicht genähert werden. P.H. hakt die Passagen ab, wenn er sie entsprechend weiterverarbeitet hat, oder wie er sagt: „die Notate werden verwendet – verwandelt ins Erzählen, in die Folge, die Erzählung.“ (S. 59). Er (oder Fellinger) spricht an anderer Stelle von Verdichtung des Materials zum finalen Text.

Das Buch, oder eher liebevoll gemeint, das Büchlein, lässt mich innehaltend zurück. Es ist wie ein Blick durch eine Türspalte im Dunkeln; das helle, warme Licht lockt von anderer Seite und lässt doch einen klaren Durchblick verwehrt.

So Ende ich mit der Lektüre im gleitenden InterCity nach Westerland mit Blick auf saftige Wiesen und neblige Weiten, wie ich begonnen habe; ich streichle liebevoll den eingelassenen Einband.

Handke, Peter: Notizbuch 31.08.1978-18.10.1978, Insel-Bücherei Nr. 1367, 63-seitige Fadenbindung mit Hardcover, Berlin 2015
Preis: angemessen. Weitere Informationen finden Sie beim Suhrkamp/ Insel-Verlag.

Ebenfalls sehr sinnvoll zu lesen:
Briefwechsel von Siegfried Unseld mit Peter Handke, erschienen im Suhrkamp-Verlag als wundervoll gebundenes Buch, mit tollem Seitenpapier und bester Aufbereitung des Schriftverkehrs vom Beginn der Arbeitsbeziehung 1965 bis zum Tode Unselds 2002.