#Suhrkamp (SV); hier: Werde ich Rezensionsblogger?

…über Bücherliebe.

Wie mein literaturaffines Umfeld bereits mitbekommen hat (bzw. auch meine Assistentin), habe ich aktuell und ganz dezidiert den Suhrkamp-Verlag (SV) entdeckt, insbesondere dessen Autor Peter Handke sowie dessen Verleger Siegfried Unseld († 2002; Nachf. von Peter Suhrkamp). Der Briefwechsel von Handke (P.H.) und Unseld (S.U.) von Beginn Handkes Autorenschaft in 1965 bis zum Tode Unselds in 2002, war mein „erster Suhrkamp“*. Wie auch wiederum alle literaturaffinen Leser/-innen wissen, benötige ich nicht nur gute Texte, sondern ich liebe auch gute Verarbeitung, angenehmes Papier und einen Satz, den ich gerne lese.

Ich habe mir aktuell ein paar Suhrkamp fremde Briefwechsel zum Vergleich bestellt, und muss sagen, dass die Zusammenstellung, die Qualität, das Papier, die optische Aufbereitung wirklich hervorstechen und die Wertigkeit durch völlig textperiphere Elemente enorm gesteigert wird. Die Lesbarkeit, die Fußnoten und die Nutzung von Klammer, Semikolon und Co. erzeugen bei mir eine große Lust des Lesens, da sie durch den melodisch verlaufenden Briefwechsel von Unseld und Handke subsumiert werden.
Dagegen ist der Briefwechsel von Reich-Ranicki und Rühmkopf, aus dem anderen Verlag, in der Aufbereitung langweilig, im Satz profan, unübersichtlich. Man staucht zusammen, lässt insbesondere kurze Texte nicht auf einer Seite atmen, sondern quetscht. Das völlige Fehlen von Bildern und damit optischer Inspiration verhageln mir in Gänze die Lust auf.
Dagegen leben die SV-Bücher auch von ihrer unauffälligen, aber liebevollen Gestaltung. Bücher von P.H. werden auf dem Umschlag neben Titel, Autor und Verlag mit längsplatzierten, handschriftlichen Urschriften der Buchtexte versehen und geben der Optik somit viel analytischen Spielraum und die -für mich- persönlichste Note eines Buches: Des Autoren seine Handschrift.
So ist z.B. auch der Inneneinband von Siegfried Lenz´ Amerikanischem Tagebuch aus 1962, erschienen bei Hoffmann & Campe, ebenfalls auf den Innenseiten des Einbands mit handschriftlicher Notiz versehen. Als Füller und Brief affiner Mensch, kann sich die geneigte Leserschaft mein Interesse vorstellen.

Nun habe ich also bei der Sichtung der SV-Homepage gelesen, dass man sich als „Rezensionsblogger“ melden kann. Kurz überlegt, schonmal als Fachautor kurz rezensiert, also, warum nicht. Da die
SV-Publikationen mir optisch, thematisch und von der Haltung her sehr zupass kommen, wäre das eine schöne Ergänzung für diesen Blog.
Drücken Sie mir also die Daumen und vielleicht kann ich Ihnen ein Stück Literatur aus dem SV-Hause demnächst näher bringen. Natürlich klingt das hier sehr lobend, soll aber keineswegs ein „Einschleimen“ sein – jeder, der mich kennt, weiß, dass es diesen Zustand bei mir nicht gibt.

Gemäß meinem angebebenen Wunsch, wäre mein erstes Stück Peter Handkes Notizen (erschienen im Insel-Verlag (est. 1899, 1963 von SV übernommen, zugehörig zur Suhrkamp Verlagsgruppe) Raimund Fellinger**, {ehemaliger} Lektor von Thomas Bernhard, jetziger Cheflektor von SV und Lektor von P.H., hat es mit einer editorischen Notiz versehen. Sonst soll das Buch, estimiere ich, von der Eigeninterpretation des Lesers leben. P.H. führt konsequent Notizbuch, das bisher unveröffentlichte „Notizbuch Nr. 16“ gibt dabei Einblick in die Entstehehungszeit der Erzählung „Langsame Heimkehr“.

Wer nun Interesse hat, von P.H. einen Eindruck zu bekommen, bekommt diesen am besten, m.E., beim den Interviews mit Gero von Boehm (2008; mag GvB sehr) und mit Friedrich Luft (1969).

Notiz: Dass ich Raimund Fellinger*** unbedingt mal bei einem Kaffee oder Wein sprechen möchte, bedarf keiner besonderen Erklärung.


* Falsch! Mir fällt grade aus einer meiner Bücherregalweinkisten das Werk „Siddharta“ von Hermann Hesse entgegen, 2006 von meinem Vater geschenkt. Doch schon vorab einen „Suhrkamp“ gehabt…

** Tipp: In diesem SV-Video zu P.H. 70. Geburtstag (06. Dezember 2012), stellt Cheflektor Fellinger den ersten Brief aus der o.g. Sammlung der Briefwechsel P.H. <-> S.U. vor. Die Schnittbilder und Äußerungen sind spannend zu sehen und erwecken bei mir unbändige Lust, mich intensiv dem Werk hinzugeben. Dazu gibt Fellinger Einblicke in das Kennenlernen von P.H. und ihm. Viel Spaß beim Schauen!

*** Tipp_2: Cheflektor Fellinger noch mehr „erleben“, kann man in der Gesprächsreihe „Blauer Montag“ mit SV-Autor Andreas Maier.