#FritzMuliar

…über Wände.

Fritz Muliar war ein Schauspieler, den ich als Kind in den Schlusszügen seines (Bühnen-)Lebens als Schauspieler wahrnahm.

So macht er in der sehr einfach gehaltenen Nebenrolle von Kommissar Rex (Staffeln 1-4, Sat.1) ab 1994 eine sehr gute Figur. Zwanzig Jahre später sollte mich dieser, selbst in einer Nebenrolle raumfüllende Schauspieler, wieder einholen. Nur aus fließendem Interesse hatte ich gegooglet, dass er inzwischen (†2009) verstorben war und bis zuletzt noch auf der Bühne der Josefstadt stand (auch am Abend seine späteren Todes). Wie eigentlich bei jedem Menschen zu erwarten, hat Muliar aber eine viel vielschichtigere Persönlichkeit, als der liebe alte Mann in einer Krimiserie der 90er. S0 googelte ich mir etwas mehr zusammen, doch ist Google hier nicht so sehr ergiebig; außer, dass sein Enkel, Markus Muliar, ein Buch über ihn geschrieben hat (schreiben hat lassen).
Nun ist es mit Verwandten von Berühmten doch gefühlt immer so, dass diese eher kein gutes Gefühl haben, ihre Ahnenreihe angemessen zu literarisieren. Doch weit gefehlt. Das Buch wurde von der Autorin, die auch brav im Einband (nur innen) genannt wird, sehr einfühlsam und lesenswert geschrieben; es zog mich so in den Bann, dass ich das Buch en bloc las, was mir sehr selten passiert. Am Ende sind noch mehrere original Abschriften von Muliars Tagebuch zu Kriegsende publiziert, die sich sehr spannend lesen lassen und Einblick in einen musischen, jungen und sehr mutteraffinen Mann geben.
So kann aber Enkel Muliar auch nur die Aussenfassade Fritz Muliars weitestgehend wiedergeben. Muliar hatte einen Panzer um sich, der vielleicht dem Kriege geschuldet war oder einfach seiner Person entsprach? So war er auch in der einzig online verfügbaren Talkshow seinem Freund (sic!) Joachim Fuchsberger („Heut Abend“ von 1990), nicht annährend einmal möglich, ihn persönlich zu erwischen. Es war immer der, wenn auch begnadete, Schauspieler, der da auf der Bühne saß und das Publikum wie jeher in seinen Bann zog.
Die Annahme, auch in dem Buch, Muliar sei nicht von seiner Bühnenfigur zu differenzieren, möchte ich in der Grundsätzlichkeit widersprechen; ich glaube, jeder Mensch hat eine private Seite. Nur die Frage der Abschottung gilt es wahrzunehmen. Bei Muliar war diese scheinbar immens. Sein Enkel hat sich, nach einer nicht immer glatten Gestaltung seines Lebensweges, eine sesshafte Verbindung aus Sein und Beruf erschaffen. Er hat ein Wiener Kaffeehaus übernommen und führt das Café Markusplatz nun knapp zehn Jahre.

Das Ende des Buches ist kurz und, wie man so schön sagt, schmerzlos. Es beschreibt aber schön, auf welch´ unterschiedlichen Wellenlänge beide unterwegs waren. So kann man durchaus selber nachfühlen, wie unpassend Reaktionen von Verwandschaft höheren Semesters man ausgesetzt war; oder ist.
Das Buch selbst ist schön gebunden, mit sehr hellen, weißen Seiten (fast zu reinweiß) und am Ende werden die Tagebuchseiten in einer anderen, dunkleren Papierqualität geliefert.

Ein schöner Ausschnitt aus den Tagebuchseiten sei hier mitgegeben, ich finde die Reaktion brillant. 

Hier das Buch bei Amazon (kein Verdien-Link, oder ähnlicher Mist).