Notlandung durch Tod des Cpt.; hier: AAFlug

…über Presse.

Ich mache mir manchmal Sorgen, was ist, wenn man von einem sensiblen Thema wie dem Fliegen nicht so wirklich viel Ahnung hat. Wenn man dann, so estimiere ich, die deutsche Presse nach dem o.g. Vorfall liest, würde ich sehr mulmig in ein Flugzeug steigen. So titel SPON: „American Airlines: Pilot stirbt, Maschine landet dennoch sicher„.
Die Nutzung des Wortes „dennoch“ impliziert in boulevardesker Weise gleich den Reflex eines jeden Laien zu glauben, dass das nun gaaanz knapp war – war es nicht! Verdammte hacke! Single Hand Operations (also ein Flugzeug alleine fliegen, was i.d.R. immer zu zweit bedient wird), ist ein regulär zu übendes Notverfahren. No panic! Tragisch ist hier nur der Verlauf für den Kapitäns (Cpt.) gewesen; er ist leider verstorben. Für die Paxe (= Passagiere) bestand keinerlei Gefahr. Denn der „Co-Pilot“, sprich offiziell Erster Offizier/ First Officer (F/O) ist entgegen landläufiger Pauschaltouristenmeinung nicht der Kaffeehalter des allmächtigen Kapitäns. Dies ist vielleicht bei irgendwelchen commercial oder drittklassigen Airlines der Fall, aber nicht mehr bei „uns“. HumanFactors und Crew Resource Management (CRM) regieren die Cockpits – zurecht!

Es passiert unregelmäßig, dass einer der beiden Piloten ausfällt, dazu muss er nicht tot umfallen, sondern, wie ich es als Pax erlebte, einen Migräneanfall haben. Die Presse suggeriert derweil die klickträchtigen „dennoch-Stories“ und die „Liste der 10 krassesten blablabla“. Es ist gar nicht so lange her, dass ein United-Pilot (?) auch während des Fluges starb, oder vor ein paar Stunden, ein F/O bewusstlos wird, siehe hier. Kann man recherchieren (ist bei Google aber schwer, weil das Netz über und über mit den aktuellen Meldungen ist), wird aber nicht erwähnt, das würde der Nachricht ja die Exklusivität rauben. Mir ist da zuviel Unwissen und der Wille nach Klicks (Werbefinanzierung!) seitens der Medien.

Für die Zahlenmenschen unter uns, in diesem Artikel von USA Today wird eine Studie aus 2005 erwähnt. Die Interviewtechnik von web.de ist dabei wieder ein Leerbeispiel für causalen Journalismus. Ich sage nur: Wie breche ich einen „normalen“ Zwischenfall mit einer außerordentlichen Katastrophe zusammen? Egal, ich wechsel von dem Zwischenfall zur Germanwingskatastrophe ohne auch nur den Hauch einer sinnvollen Überleitung – und natürlich gen Ende hin, damit die Angst beim unwissenden Leser auch wie Eiseskälte schön nachklirrt.

Lassen Sie sich bitte von solchen Meldungen nicht immer solch´ Panik eintreiben – unnötig.


* Und noch was „nettes“ zum Schluß: Auch wenn beiden Crew-Mitglieder „wach“ sind, muss das kein Schlüssel für einen pünktlichen Abflug sein; lesen Sie hier.