Volksfeste auf dem Land

Vortrag auf dem Land ist immer wieder spannend, denn das Land hat viel zu bieten.

Nicht nur den Blick auf eine andere Lebensgeschwindigkeit und Urbanisation, auch die Lebensgewohnheiten wirken für den Durch-und-Durch-Städter im Sakko nebst Assistenten irritierend. 

Die ritualisierte Gemeinschaft findet hier in Form sog. Volksfeste statt. Zu feiern gibt es eigentlich nix, und dennoch: Man müsse es krachen lassen. Den Grund, auf Nachfrage, kennt insbesondere zu vorgerückter Stunde, niemand mehr. Die Alkoholisierung von jüngster Generation im Stehen, zu sinnbildlich sesshafter Gesellschaft der arrivierten Jahrgänge gehört zum guten Ton – oder zum Ertragen der scheinbar ausweglosen Situation aus dem Tal der Bequemlichkeit. Die Angebote der gelangweilten und stumpf dreinblickenden Aussteller mit den immergleichen Spielen und Fahrgeschäften, die doch nur Staffage und Kulisse für die Legitimation des gemeinschaftlichen Konsums von möglichst viel Alkohol sind. Hierbei von Genuss zu sprechen, spiegelt nicht die Besucher wieder. Auf die Frage, was sie da im Marakujasaft hätten, kommt ein lapidares „egal, Hauptsache es knallt!“ zurück. Weil es so toll oder doch monoton hier sei, fragt der interessierte Städter und erntet weder Antwort noch Erbostheit. Er erntet nur leere, stumpfe Blicke. Der junge Assistent fragt am Grillstand stehend zwei jüngere Damen, ob sie was trinken mögen. Postwendend kommt die Antwort mit großem Wunschblick: VodkaE! Das scheint man hier dann doch genau zu wissen. Der Assistent wird aber vom Städter dringend angehalten, nichtmal einen Gedanken an die Umsetzung zu verschwenden. Die Damen sind weit weg davon, Wodka auch nur nippen zu dürfen. Ob die beiden wirklich wissen, was sie da angeben zu wollen, bezweifelt der Städter. Die Eigenbestimmung wird hier in der Peer-Group festgelegt. Wie in der grossen Stadt! Und dennoch: alles umgibt eine Art von Melancholie, leeren Blicken und der Gewissheit: Alles bleibt im Tal. 

ggf. gehts noch weiter mit der Betrachtung…

  
Der Assistent ballert auf Häschen. Aus Metall, denn die anderen sind schon dichter als Goethe. Der Städter hingegen erträgt bei 35 Grad sein Leidgenuss im nassen Polo.