Michael Angele: Schirrmacher

Es ist zurzeit das gleiche Wetter wie an jenem 14. Juni 2014, als die Verlagswelt erschrocken der eigenen Vergänglichkeit wegen zuckt. Der Doyen des Feuilletons war urplötzlich aus dem Leben gerissen. Mit nur vierundfünfzig Jahren verstarb der Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in Frankfurt am Main. Die Zeitungen liefen in der Berichterstattung zur gedeckten Hochberichterstattung… Weiterlesen Michael Angele: Schirrmacher

„Am Strand von Bochum ist allerhand los“ – Postkarten von Jurek Becker

Dieses bei Suhrkamp erschienene Konvolut eines Auszugs von Jurek Beckers Postkarten an seine Frau, seine Familie und enge Freunde wie das Ehepaar (Manfred) Krug, Burgel Zeeh und seinen Verleger Siegfried Unseld ist ein wahrer Genuss für Menschen, die Kurztexte lieben und denen der Austausch mittels Post eine Freude bereitet. Ich werde Christine Becker, die Nachlassverwalterin… Weiterlesen „Am Strand von Bochum ist allerhand los“ – Postkarten von Jurek Becker

Max Porter: Trauer ist das Ding mit den Federn

Dieser Roman (ich finde, eher Erzählung / oder: ein Werkwesen für sich) überfordert mich. Es ist keine Art des Genusslesens, sondern des Auseinandersetzens mit etwas, das man nicht bildlich machen kann. Wie Wind. Nur mit kleinen Hilfsmitteln und dann auch nicht wirklich. Das „es“ an sich gibt es nicht visualisiert. Das bedeutet aber bei weitem… Weiterlesen Max Porter: Trauer ist das Ding mit den Federn

Kazuo Ishiguro: Was vom Tage übrig blieb

Klassendenken. Was für ein fernes Wort für die meisten Menschen in ihrem heutigen Lebensalltag. Die Zeit ist aber nicht lange her, als die Klasse, in die man unweigerlich geboren wurde, spürbar war. Geben tut es sie immer noch, man fühlt es bloß weniger. Gemeinschaften sind von Bündnissen und Abgrenzung gekennzeichnet. Ohne Abgrenzung keine Gemeinschaft. Dies… Weiterlesen Kazuo Ishiguro: Was vom Tage übrig blieb

Peter Stamm: Triff dein früheres ICH

Peter Stamm ist allgegenwärtig. Zumindest technisch. Nachdem ich sein Buch von S. Fischer erhalten habe, und es vorher googlete, sind wirklich viele Werbeanzeigen voll von Peter Stamms neuem Roman „Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt“, erschienen bei S. Fischer.  Bei der Klassifikation „Roman“ stutze ich immer, denn irgendwie ist alles ein Roman. Wie der Deutschlandfunk, sehe… Weiterlesen Peter Stamm: Triff dein früheres ICH

Thomas Fischer: Richter-Sprüche

Thomas Fischer gehöre zu den wichtigsten Denkern des Landes, verkündet Beststellerautorin Juli Zeh auf der blütenweißen Bauchbinde des ansonsten in Leinen ohne Schutzumschlag daherkommenden zweiten Buches des Vorsitzenden Richters am Bundesgerichtshofes a.D. – Und damit hat sie wirklich recht.  Im Mai 2017 schied er auf eigenen Wunsch frühzeitiger als gedacht aus dem Staatsdienst aus. Ruhig… Weiterlesen Thomas Fischer: Richter-Sprüche

Die verborgene Bibliothek

Alberto Manguel hat eine intensive Beziehung zu seinen Büchern, seiner Sammlung. Bücher gehören nicht nur ein Objekt des gelesenwerdens, der Anhäufung von Texten, Wissen, Buchstaben. Es ist ein lebendes Objekt mit Ecken, Kanten, Macken aus denen die Erinnerung erwächst, mit diesen Gegenständen, Zeit(en) erlebt zu haben. Sie sprechen Geschichte, haben Eintragungen, haben Charakter. Sie riechen.… Weiterlesen Die verborgene Bibliothek

Willemsens Wohnhaus wird „Villa Willemsen“

Beitragsbild: Screenshot NDR Wie sowohl das Abendblatt als auch welt.de berichteten, hat der Mare Verlag angekündigt, Roger Willemsens Wohnhaus in Wentdorf, wo der Publizist am 06. Februar 2016 starb, wird zu einem Künstlerhaus und durch die neu gegründete Roger-Willemsen-Stiftung geführt. Die Eröffnung war am 03. Mai. Lesen Sie meinen Artikel auf freitag.de Die Roger Willemsen… Weiterlesen Willemsens Wohnhaus wird „Villa Willemsen“

So kann man sich irren: Benimm-Rezeption ist relativ

Ich hatte mich so gefreut, als ich im Radio von dem Buch des Protokollchefs des Deutschen Bundestages, Enrico Brissa, hörte. Sogleich bestellte ich es mir, denn mehr darüber zu erfahren, wie dieser stilsichere Herr Form und Benimm herstellt, begeisterte mich. Die Ernüchterung kam dann sehr schnell, das Vorwort war sinnig und flüssig zu lesen und… Weiterlesen So kann man sich irren: Benimm-Rezeption ist relativ

Kein Geld, keine Uhr, keine Mütze – Wilhelm Genazino

Der Roman von Wilhelm Genazino habe nur 175 Seiten, vermeldet der Deutschlandfunk und ich stöhne innerlich und erhebe die innere Stimme zu kreisenden Hasstiraden der von Messzwängen beherrschten Kritiker. Verdammte Hacke, was hat die Seitenzahl mit einer Kritik zu tun? Einzige Antwort: Nix. Es geht mir so auf die Nerven, immer wird mit dem Verkaufspreis… Weiterlesen Kein Geld, keine Uhr, keine Mütze – Wilhelm Genazino

„Versuch einer Vernichtung“ – Interview mit Thomas Fischer

Als ich Prof. Dr. Thomas Fischer Ende Mai 2017 in seinem Haus in Baden-Baden zum Gespräch treffe, ist er frisch pensioniert als Vorsitzender Richter am Bundesgerichtshof. Seine Kolumne hat er unter dem Raunen seiner treuen Leser gerade eingestellt, schreibt aber weiter ab und an für die ZEIT, der er mit seiner Kolumne „Fischer im Recht“… Weiterlesen „Versuch einer Vernichtung“ – Interview mit Thomas Fischer